Project Hail Mary / Der Astronaut (2021, Andy Weir)

Willkommen zum Rewrite Podcast, dem Science-Fiction-Lese- und Schreib-Podcast. Heute mit Jürgen. Hallo, Jürgen.

Hallo, Sönke.

Hallo. Wer ist denn da noch?

Fabian.

Fabian. Sorry, sorry, sorry. Hallo, Fabian, und hallo, Welt da draußen. Ist schon super eigentlich. Sollen wir noch mal anfangen?

Nee, das haben wir. We do it live.

Wir reden heute über ein Buch, auf das wir alle voll Bock hatten. Es hat uns super gefallen. Ich glaube, das ist eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gehört beziehungsweise gelesen habe: Project Hail Mary von Andy Weir. So, Weir machen – das könnt ihr in den Kapitelmarken sehen – wir jetzt erst mal einen spoilerfreien Teil. Dann gibt es, sagt Fabian, ein bisschen was zu Andy. Und dann kommt der Spoilerteil.

Und die Kapitelmarken zeigen dann: Wir reden über Der Marsianer, wir reden über Artemis, wir reden natürlich über Hail Mary mit einer Zusammenfassung vom wunderbaren Jürgen, mit seinen wunderbaren Zusammenfassungen.

Das ist wunderbar, dass du das so sagst, Sönke.

Genau. Ja, ich finde das so toll, wie Mirko das immer macht bei Axel.

Ja, ich bin auch voll neidisch.

Okay, so. Und dann reden wir ein bisschen über die Sprache und den Twist am Ende. Und ein bisschen darüber, was uns gut gefallen hat, und vielleicht, wenn man noch nichts von Andy Weir gelesen hat, was vielleicht der beste Roman ist, um anzufangen.

Gut, ich habe da voll Lust drauf. Habt ihr auch Lust?

Auf jeden Fall.

Ach ja.

Gut, dann schauen wir mal an. So, Jürgen, du bist ja nicht so begeistert. Wie bist du zu dem Roman gekommen?

Tatsächlich habt ihr gesagt, ich soll das lesen.

Ich habe nicht gesagt, ich soll das lesen.

Das ist tatsächlich eher so eine literarisch-philosophische Kurzgeschichte. Also schon was anderes. Sehr empfehlenswert aber.

Okay, das kannte ich auch nicht. Ich werde es mir auf jeden Fall jetzt gleich nach der Sendung geben. Danke.

Dann ist es ziemlich unterschiedlich, weil ich hätte eigentlich erwartet, dass jeder Der Marsianer gelesen hat.

Ja, ich ja schon.

Ja, du ja schon.

Also, ich weiß gar nicht, vielleicht hat Jürgen mir Der Marsianer empfohlen. Ich weiß es nicht mehr. Mir wurde auf jeden Fall Der Marsianer empfohlen.

Ja, also wir haben darüber gesprochen beim Inlineskaten. Daran erinnere ich mich. Und du hattest, glaube ich, aber dann erzählt, du würdest das schon kennen.

Ich habe halt gesagt: Ja, ich habe jetzt endlich auch Der Marsianer durch. Und kurz gesagt: Wird es mir manchmal ein bisschen zu viel mit seinem wissenschaftlichen Gequatsche, also dass er wirklich alles kleinklein erklärt. An manchen Stellen habe ich mir so gedacht: Okay, wird schon stimmen, so genau wollte ich es gar nicht wissen. Also so ist es mir manchmal beim Marsianer gegangen. Und das hast du aber auch bestätigt, glaube ich.

Ja, aber ich finde halt, für mich ist es so dieser Hard-Sci-Fi-…

Warum du das Wort „Porn“ immer so überbetonst, auch bei „Hopepunk“?

Nein, nur im Fall von Andy Weir bin ich der Meinung – und ich erkläre es auch später –, dass das kein Hopepunk ist. Weil, wo ich sage: Wir können das – das kann ich gleich vorziehen –, es würde so nicht laufen. Ja, bei Der Marsianer ist es unglaublich lucky, und man glaubt das auch. Aber bei Hail Mary – das würde nie so funktionieren. Never. Never ever.

Deswegen wollte ich es vergleichen auch mit Don’t Look Up. Das ist eher so die Version, wie ich glaube, dass es laufen würde. Meiner Meinung nach läuft es so, und meiner Meinung nach würde es auch so laufen, wenn die Erde vor einer Katastrophe stehen würde und wir laufen da sehenden Auges rein. Und in Project Hail Mary passiert das halt nicht. Es ist eine weltweite Katastrophe und alle tun das Richtige, indem sie eine einzige Person damit beauftragen und alle Macht geben, zu machen, was notwendig ist. Und diese Person tut es dann auch wirklich. Es ist sehr schön und sehr, sehr toll. Und dann reden wir auch später darüber.

Der Marsianer ist sein erster Roman. Er hat ihn auf seiner Homepage veröffentlicht, Stück bei Stück, dann hat er ihn am Ende als Selfpublisher rausgebracht. Und das ist dann so gut gelaufen, dass ein Verlag ihn auch noch mal rausgebracht hat. Mit Matt Damon – von dem ich nicht weiß, ob ich ihn gesehen habe oder nicht, weil ich einfach nur diesen Roman in meinem Kopf habe. Ich nehme an, ich habe ihn gesehen, aber der Roman ist so gut, so gut kann der Film gar nicht sein. Wobei ich ziemlich sicher bin, dass der Film auch nett ist. Matt Damon spielt ja sonst immer ganz gut.

Ich habe aber nichts Gutes gehört über Artemis. Und wie Jürgen schon gesagt hat: Es wird von dir als Autor ja auch erwartet, dass du so schreibst, wie du schreibst, damit du in deinem Stil drin bist. Wie Jürgen gesagt hat: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand ist ein ganz toller Roman und würde ich auf jeden Fall empfehlen. Es ist keine Science-Fiction, nicht mal Märchen. Aber der Autor hat dann noch ein paar Romane geschrieben, und wenn du den zweiten Roman dann auch hattest, dann wirkt er schon bemüht. Also bei Die Analphabetin, die rechnen konnte geht es dann genauso halt abskurril und so weiter. Und das tun die meisten Menschen halt: mehr vom Selben erwarten. Sonst würde ja niemand Fast and Furious gucken oder Transformers oder so. Star Wars, for that matter. Und bei Andy Weir ist das auch so. Andy Weir hat seine Art, wie er schreibt.

Und er hat das auch erklärt. Man hat ihm gesagt, dass sein Hauptcharakter bei Der Marsianer halt zu gradlinig ist, dass der nie verzweifelt, dass der keine schlechten Eigenschaften hat. Deswegen hat er dann seinem Hauptcharakter in Artemis schlechte Eigenschaften gegeben. Was nur darauf hinausläuft, dass die meisten der Leute, die Reviews gegeben haben, den Hauptcharakter nicht mochten. Und wenn du dich nicht identifizieren kannst mit dem Hauptcharakter, dann ist das schlecht.

Hast du nicht irgendwie gesagt, es würde einen spoilerfreien Teil geben und bla bla bla? Jetzt quatschst du die ganze Zeit – also ich will dich nicht kritisieren.

Doch, ich mach es, ich kritisiere dich.

Ich bin ja in der Zeit, aber richtig schön kreuz und quer.

Das ist alles Zeug, was ich aus spoilerfreien Reviews habe, weil ich hab – ihr habt gesagt, es sei spoilerfrei. Ich hab’s ja nicht gehört.

Dann der Teil, in dem du mir erzählst, dass ich es trotzdem lesen sollte, wo ich mich echt freue, weil wenn es dir gefallen hat, gefällt es mir normalerweise auch.

Ja, aber wo du zum Beispiel jetzt darüber sprichst – also wenn du jetzt Project Hail Mary vergleichst mit Don’t Look Up und Don’t Look Up deiner Meinung nach die politische Version ist, dass wenn die gesamte Welt vor der Auslöschung stünde oder das weiß-ich-komplett-versaut, dann hast du gesagt, das Zepter wird dann einer Alleinherrscherin gegeben. Und da hab ich eben, bevor die Mikrofone an waren, gesagt: Du wünschst dir also eine Diktatorin. Und da hast du gesagt: Nein. Aber da hab ich’s gedacht, weil jemand, der alleine über alles entscheidet, das ist ein Diktator beziehungsweise eine Diktatorin.

Und dann hast du gesagt: Ja, nee, mhm, okay, das glauben Diktatoren auch mal von sich. Fein, gebe ich dir, reden wir später drüber. Können wir später reden?

Aber damit verrätst du schon, was in dem Roman vorkommt. Das ist das, was ich meinte. Ich hab extra nachgeguckt. Man sagt: Das erste Drittel eines Romans legt man an. Und ich hab auch geguckt, das ist nachgelesen. Du würdest schon den ersten Twist verraten, den ich nicht verraten möchte. Weil es schon die zweite Sicht verrät.

Okay, okay.

Deswegen machen wir jetzt auf. Für mich, meiner Seite nach, das passiert relativ am Anfang, ganz am Anfang von dem Buch. Ich sag jetzt nicht mal, worum es da geht. Wir fangen jetzt an mit Florian – und zwar Fabian. Fabian, wie komm ich auf Florian?

Ich werde oft Florian genannt.

Ich werde alles Mögliche genannt. Du glaubst nicht, was man…

Wie deine Frau dich nennt, wollen wir gar nicht wissen, Sönke.

Meine Frau ist die Einzige, die mich immer richtig nennt. Meine Mutter nennt mich ganz komisch, die verwechselt alle männlichen Vornamen unserer Familie. Die geht dann durch, bis sie’s hat.

Das ist aber bei meiner Familie auch so gewesen. Meine Mutter hat auch immer alle vier Kinder durchgezählt, bis sie den richtigen Namen hatte. Das fand ich auch überlustig.

Okay, gut. Ich bin locker drauf, weil es ist ein schönes Thema, es hat uns sehr gut gefallen. Es soll auch nicht deprimierend sein wie bei anderen Folgen, die wir hier machen. Fabian, erzähl was über Andy Weir, bitte.

Ja. Andy Weir ist ein amerikanischer Autor und Computerprogrammierer. Er wurde 1972 geboren. Er hat schon mit 15 Jahren angefangen, bei Sandia Labs als Programmierer zu arbeiten. Sandia Labs, kurz für Sandia National Laboratories, ist tatsächlich eine von drei Hightech-Forschungseinrichtungen in den USA, die mit der nuklearen Sicherheit betraut sind. Also ja, er wird nicht an irgendeinem Hochsicherheitsteil bei den Sandia Labs gearbeitet haben. Aber dort zu arbeiten ist natürlich schon relativ beeindruckend, vor allen Dingen in dem Alter.

Er war schon immer interessiert an Science-Fiction-Geschichten, hat auch als kleiner Junge schon angefangen, Arthur C. Clarke zu lesen und Isaac Asimov, also Autoren, die wir nur allzu gut kennen. Und seine Programmierkarriere hat ihn zu mehreren Stationen geführt: AOL, aber auch Blizzard. Da hat er an Computerspielen mitgearbeitet. Er hat also ganz viele unterschiedliche Sachen gemacht.

Ab den 2000er-Jahren hat er angefangen, verstärkt zu schreiben, und zwar im Internet. In der Zeit sind Fan-Fictions von ihm entstanden, Comic-Strips, an denen er mitgeschrieben hat, und zahlreiche Kurzgeschichten. Die bekannteste davon ist The Egg von 2009, was wir halt auch unten in den Links verlinkt haben zu dieser Folge und über die wir uns ja schon kurz unterhalten haben.

Sein Durchbruch kam tatsächlich dann mit dem Buch Der Marsianer, The Martian im Englischen. Was auch Sönke ja eben gerade schon angesprochen hat. Das hat er zuerst als Fortsetzungsreihe auf seiner Internetseite veröffentlicht. Fans der Serie haben dann gesagt, er soll die doch mal bei Amazon für den Kindle verfügbar machen. Er hat das dann für 99 Cent verkauft. Und darüber ist dann ein Literaturagent auf ihn aufmerksam geworden, hat die Rechte verkauft für die Printversion, und die ist dann tatsächlich auf Platz 12 der New York Times Bestsellerliste eingestiegen und war der große Durchbruch für ihn. Das war dann im Jahr 2011, als die Webversion erschien, und 2014, als die Printversion erschien. Und dann ein Jahr später kam schon der Film raus mit Matt Damon in der Hauptrolle, der dann auch international der große Durchbruch war und ihn dann auch international wirklich auf die Liste derjenigen gesetzt hat, die gute Science-Fiction schreiben.

Er hat noch zwei weitere Romane geschrieben: Artemis, über den wir uns später auch noch mal unterhalten. Artemis ist rausgekommen 2017. Und dann der dritte Roman, Project Hail Mary, über den wir uns heute hauptsächlich unterhalten, 2021.

Sein Stil ist hauptsächlich beeinflusst durch Hard-Science-Fiction-Autoren. Was ihn halt literarisch bemerkbar macht, ist, dass es sehr stark an Hard Science Fiction angelehnt ist. Man kann darüber streiten, wie stark. Weil er oft einfach nur, ohne das allzu stark zu erklären, sagt: Das geht auf jeden Fall in der Astronomie. Und dann sagt er einfach so: Wir müssen das jetzt so akzeptieren. Lässt sich aber definitiv, denke ich, dann doch in den Hard-Science-Fiction-Bereich einordnen.

Entschuldige, was meinst du mit „wir müssen das jetzt so akzeptieren“? Worauf willst du damit hinaus?

Der Erzähler untersucht einige der Astrophagen. Darf ich das schon spoilern? Also, er untersucht die Astrophagen. Und dann kommen gar nicht so viele Infos, wie man bei einem Hard-Science-Fiction-Roman erwarten würde. Sondern es wird dann darauf hingewiesen, dass das eigentlich unmöglich sein müsste. Das habe ich auch in mehreren Reviews gelesen. Und er erkennt zwar an, dass das höchst unwahrscheinlich ist, aber er macht dann keine Pseudowissenschaft auf. Die sind halt einfach da.

Wobei selbst Pseudowissenschaft ja auf Wissenschaft basiert, also das ist schon…

Ich denke, wir machen jetzt den Spoilerteil auf. Das ist eine sehr lustige Konstruktion. Ich denke, wir sind jetzt auch durch mit Andy. Lass uns jetzt einen Spoilerteil aufmachen.

So. Ja. Ab jetzt können Spoiler vorkommen, nicht notwendigerweise. Ihr könnt jetzt weiterspringen bis zum Ende oder wir hören euch bei der nächsten Folge. Oder ihr springt weiter zur Verabschiedung. Appetit gemacht haben wir euch auf jeden Fall schon, euch alles von Andy Weir reinzuziehen. Wir sind alle drei, möchte ich sagen, schon überzeugt davon, dass man Andy Weir auf jeden Fall gelesen und gehört haben soll. Damit verschwendet man nicht seine Zeit, wenn man sich für Science Fiction interessiert.

Ja, auf jeden Fall.

Ja, ich bin mir nicht sicher, wen ich am meisten empfehlen würde. Ich würde sagen, um auf Fabian zurückzukommen: Wenn du wirklich die Hard Science Fiction haben willst, dann ist wahrscheinlich besser, du nimmst Der Marsianer und nicht Hail Mary. Weil in Hail Mary ein paar Sachen vorkommen, die man schon so nicht mehr ganz notwendigerweise in die Hard Science Fiction zählen muss. Aber der bessere Roman ist Hail Mary. Ganz knapp. Weil beide fantastisch sind.

Ja. Und ich weiß nicht, aber ich denke – du hast mir schon so Lust gemacht, Jürgen –, dass ich auch Artemis jetzt auf die Liste setzen werde. Auch gleich.

Ich werde auch gleich versuchen, eine Lanze für Artemis zu brechen. Das ist der Fall. Der ist echt gut. Insbesondere oder gerade, weil er von Andy Weir ist und eben mal was anderes bietet. Und ich muss auch wirklich sagen: Es ist gar nicht schlecht, das genau in der Reihenfolge zu lesen. Also man fängt mit Der Marsianer an, seinem Erstlingswerk, was sein Durchbruch war, gibt sich danach Project Hail Mary, der, wie ich finde, auch eine Steigerung darstellt, aber einfach ganz viele, möchte ich sagen, Elemente der Narration wirklich wiederholt. Also man könnte sagen, das ist so Der Marsianer 2.0, weil es auch so was Robinsonadenmäßiges hat. Wir haben wieder einen Ich-Erzähler, der für sich alleine dasteht und einem alles kleinklein erklärt.

Bevor wir zugehen, lass uns – weißt du was? Jetzt hast du angefangen, hau mal Artemis durch, und dann mach ich kurz Der Marsianer. Dann gehen wir chronologisch.

Willst du Der Marsianer noch mal zusammenfassen?

Ich wollte kurz was zu Der Marsianer sagen. Das kann ich auch kurz machen. Du kannst ja gerne chronologisch machen. Der Marsianer, ganz kurz: Es gibt eine Expedition zum Mars. Das ist nichts Besonderes mehr, macht man alle paar Jahre. Beim letzten Trip wurde so ein Dom aufgebaut. Jetzt sollen die Leute da ein Jahr leben, bevor sie wieder zurückkommen zur Erde. Gleich in den ersten Tagen bricht ein Sturm los. Man flieht und man muss leider einen der Astronauten zurücklassen, weil der ist gestorben während der Evakuierung. Und dann ist man auf dem Raumschiff und fliegt zurück. Dann wacht dieser Astronaut auf und ist alleine – wie schon gerade angedeutet, so ein Crusoe.

Es ist unglaublich, ich hab das bis jetzt überhaupt nicht mit Robinson Crusoe verglichen, aber es ist unglaublich. Das nennt man so Robinsonade: Leute, die sich alleine durchkämpfen. Das ist auch so eindeutig.

Jetzt, wo du’s sagst. So glass shattering. Der Marsianer ist Robinson Crusoe auf dem Mars. Hammer.

Danke schön. Es freut mich, wenn ich dir beim Podcast noch Epiphanien bescheren kann. Dafür mache ich das. Nur dafür.

Ja. Unter anderem.

Auf jeden Fall ist es eine ganz tolle Robinsonade. Eine lange Fahrt mit einem Auto, mit Solaranlage, Photovoltaik und sich ein Jahr nur von Kartoffeln ernähren und so. Es ist fantastisch. Es geht natürlich alles gut aus. Und es gehört für mich auf jeden Fall schon zum Hopepunk, weil eigentlich wirklich alles funktioniert. Den Menschen wird relativ schnell klar, dass sie diesen Astronauten da nicht sterben lassen können. Das geht nicht. Und es wird auch gesagt: Ja, das ist jetzt halt wegen der Öffentlichkeit. Normalerweise auf der Erde würde man das nicht machen, aber das geht ja nicht. Das ist ein Symbol. Dieser Astronaut ist ein Symbol. Nobody’s left behind. Und dann zieht der Rest des Buches das halt vollkommen durch. Und es ist fantastisch geschrieben und war super, großer Erfolg, wurde verfilmt.

Und dann kam das zweite Buch und das heißt Artemis. Jürgen.

Genau, das heißt Artemis. Und wie gesagt: Meine Empfehlung wäre, erst Project Hail Mary zu lesen und dann Artemis als Letztes. Denn dann, muss ich sagen, ist man so ein bisschen überdrüssig und möchte gerne mal was Neues oder was anderes haben. Andy Weir hat direkt in seinem zweiten Roman versucht, etwas anders – ob es jetzt unbedingt besser ist, Geschmackssache – zu machen. Nämlich: Er hat nicht eine, möchte ich sagen, heile-Welt-Geschichte erzählt. Und er hat keine Hauptfigur ins Zentrum der Geschichte gesetzt, die jetzt perfekt und vorbildhaft ist.

Sondern das Ganze spielt auf einer Kolonie auf dem Mond beziehungsweise auf der einzigen bisher errichteten, funktionierenden Kuppelstadt auf dem Mond, die Artemis heißt. Und die Hauptfigur heißt Jasmine, kurz genannt Jazz Bashara, ist arabischer Abstammung und verdingt sich in so einer Stadt, die, wie könnte es anders sein, so ein Steuermekka ist und wo es natürlich auch Schattenwirtschaft gibt. Sie schlägt sich hauptsächlich als Schmugglerin durch und kriegt dann einen Auftrag, der natürlich auch sehr shady ist: dass sie einen Sabotageakt begehen soll, weil jemand einen Industriezweig an sich reißen möchte, kurz gesagt. Und er bietet ihr dafür eine Million – ich hab vergessen, wie die Währung heißt, Slugs, glaube ich – oder so. Die haben natürlich auch ihre eigene Währung auf dem Mond. Und sie nimmt diesen Auftrag an.

Natürlich klappt das nicht so ganz, wie das hätte sein sollen. Es entsteht ein größerer Schaden. Man versucht, sich für diese Tat an ihr zu rächen. Sie hat dann einen Hitman, der sie verfolgt und versucht umzubringen. Sie versucht dann am Ende, diesen Job auch noch abzuwickeln, schart Verbündete um sich. Ich fand den Roman wirklich toll, weil das echt schönes Worldbuilding ist. Dieses Leben in dieser Stadt und was für Gestalten da unterwegs sind und wie die alle miteinander verwoben sind mit ihren Schicksalen, das fand ich sehr gut erzählt.

Es spart Andy Weir dem Leser auch nicht verschiedene Zusammenhänge. Also dass er erklärt: Wie funktioniert das jetzt zum Beispiel mit der Luftversorgung? Und wie funktioniert das mit der Ernährung? Wovon lebt man eigentlich, wenn man auf dem Mond lebt und da natürlich keine grünen Pflanzen wachsen und sonst was? Man kann nicht einfach Tiere züchten. Das alles erklärt er. Es wirkt aber alles für sich in sich stimmig. Und dass die Leserschaft Weir dafür abstraft, nach dem Marsianer einen Roman nachzulegen, der nicht genau dasselbe erzählt, das finde ich sehr undankbar von der Leserschaft. So: Warum erzählt er nicht noch mal eine schöne Hoppla-Geschichte? Warum hat er nicht mehr so einen polierten – wie nennt man das? – Paladin als Hauptfigur? Das finde ich richtig blöd. Ganz im Gegenteil. Ich finde, es ist eine sehr, sehr lustig geschriebene Geschichte. Auch zum Teil mit colorful language, worauf die Hauptfigur dann allerdings auch immer wieder von anderen Figuren der Geschichte hingewiesen wird: Language! Also dass sie aufpassen soll, wie sie sich ausdrückt, wenn sie mal wieder flucht und sonst was. Ich fand das sehr, sehr charmant.

Ich kann Artemis all denjenigen empfehlen, die zum Beispiel Geschichten mögen im Stil von William Gibson. Obwohl es nicht so überfrachtet ist mit Cyberpunk oder sonst was. So ist es eigentlich nicht. Sondern allen Leuten, die diese Sprawl-Atmosphäre mögen, denen kann ich Artemis sehr ans Herz legen. Wie gesagt, ich fand den sehr, sehr gut, ich fand den sehr, sehr charmant. So viel spoilertechnisch zu Andy Weir: Auch dieser Roman hat ein – ja – halb Happy End. Auch in diesem Roman wird die vermeintlich böse Heldin dann doch irgendwie geläutert am Ende. Also sie verhält sich dann schon moralisch sehr anständig im Finale. Und diejenigen, die zu Schaden kommen – mit Verlaub –, die haben’s verdient. Ich kann nur wiederholen: Mir hat der Roman sehr, sehr gefallen.

Vorgeschlagen hatte ich eigentlich, dass wir über Artemis auch noch einen eigenen Podcast machen. Denn ich würde ihn sehr, sehr gern vergleichen mit einem Roman, dessen Autor mir gerade entfallen ist. Der Roman heißt The Dark Side. Und der gehört auch zu meiner Online-Anthologie über Romane, wo es um künstliche Intelligenz geht. Da wird auch ganz viel Worldbuilding betrieben. Denn der Roman The Dark Side erzählt auch die Geschichte von einem Steuerparadies, das auf der dunklen Seite des Mondes – also in Anführungszeichen „dunklen Seite“, nämlich die der Erde abgewandte Seite des Mondes – sich entfaltet. Und das ist einfach eine sehr schöne Sache, das miteinander zu vergleichen. Zwei Romane, die auf dem Mond spielen, die dieses ganze Ökosystem Mondkolonie sehr schön veranschaulichen. Und ja, fände ich auch sehr lohnend oder fruchtvoll, darüber vielleicht eine eigene Podcastfolge zu machen.

Also noch mal: Artemis von Andy Weir kann ich sehr empfehlen.

Ich gucke gerade nach, wie es mit den Rechten zur Andy-Weir-Story aussieht, weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass die unter Public Domain ist.

Welche Geschichte?

Ach so?

Wenn wir irgendeine Adaption, eine Hörspieladaption oder so weiter auf YouTube finden, dann werde ich die verlinken. Sollte es die zum Nachlesen geben auf Archive.org oder so weiter, werde ich die auch verlinken. Kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich würde mich darum kümmern. Wenn du was gefunden hast, umso besser.

Es gibt eine X-Übersetzung davon, die ist wirklich unglaublich. Ich schick’s dir auf Signal.

Super. Okay. Jürgen, sorry, dass ich dich darum bitten muss, gerade weiterzumachen. Kannst du bitte weitermachen?

Aber das macht doch nichts, Sönke.

(Lachen)

Ja. Kommen wir jetzt zur Zusammenfassung von Project Hail Mary. Das möchtest du doch von mir, oder?

Das ist so lieb von dir, ja.

Ja, guck mal, ob ich das hinkriege.

Okay. Kommen wir zum eigentlichen Themengeber dieser Podcast-Episode: Project Hail Mary, zu Deutsch Der Astronaut. Das ist ein Roman, geschrieben von Andy Weir, sein jüngstes Werk. Und es geht um Ryland Grace, der an einem ihm unbekannten Ort zu Beginn des Romans aufwacht und in zwei anderen Alkoven leider zwei Leichen vorfindet. Er kann sich an nichts erinnern. Er hat das vage Gefühl, dass diese beiden Verstorbenen ihm bekannt sind. Er weiß aber nicht, warum ist er hier? Er weiß überhaupt nicht, was das für ein Ort ist. Es ist irgendeine künstliche Umgebung. Ist es ein Gefängnis? Ist es ein Labor? Er weiß es nicht. Und der Gedächtnisverlust macht ihm sehr schwer zu schaffen.

Er kann sich aber sehr schnell erinnern, dass es wohl nur um jüngste Ereignisse geht, an die er sich nicht erinnern kann. Denn sein großes Fachwissen, sein Langzeitgedächtnis, ist wohl noch erhalten. Er merkt nämlich ganz schnell: Ich bin wohl ein Wissenschaftler. Er hat sofort irgendwelche Ideen, sich in seiner Umgebung zurechtzufinden und Untersuchungen anzustellen, wo er sich befindet und was es damit auf sich hat. Ihm fallen zum Beispiel solche Dinge auf wie unterschiedliche Schwerkraftverhältnisse, Trägheit der Objekte, die ihn umgeben. Und er stellt dann Experimente an, die – wie sich das für Andy Weir gehört – sehr schön erklärt werden, wie die funktionieren, um sich selbst zusammenzureimen: Er befindet sich in einem Raumschiff. Und er ist einer von drei Astronauten, die wohl für eine Langzeitreise in künstliches Koma versetzt wurden. Und die anderen beiden haben halt Pech gehabt und das nicht überlebt. Und er ist der einzige, der wohl erwacht ist.

Er weiß aber nicht, was sein Auftrag ist. Er ist auf einer Mission, weil er sich aus Gedächtnisproblemen heraus nicht daran erinnern kann. Und glücklicherweise kommen stückchenweise Flashbacks, die es ihm ermöglichen, sich an einige Dinge zu erinnern, was zum Teil nützlich ist, weil er zum Beispiel auch gar nicht aus seiner kleinen Kammer hinkommt, weil er die Sicherheitsverifikation nicht hat – denn er kann sich an nichts erinnern. Er reimt sich dann aber irgendwann zusammen, dass er wohl tatsächlich auf einer Rettungsmission ist, und zwar auf einer Mission für nichts Geringeres als die Menschheit zu retten.

Denn Folgendes ist passiert: Man hat lange gefragt und gerätselt, ob es außerirdisches Leben geben könnte. Und irgendwann hat man es tatsächlich entdeckt. Allerdings nicht auf eine Art und Weise, wie man sich das zuerst gedacht hätte, nämlich kleine grüne Männchen oder sonst etwas, sondern man hat ganz niedrige, ganz schlichte, primitive Lebensformen entdeckt, die Astrophagen genannt wurden. Warum Astrophagen? Wer sich so ein bisschen in der Biologie auskennt, dem dürfte ein Glöckchen klingeln im Kopf. Es gibt die Phagen beziehungsweise Bakteriophagen. Das ist die Bezeichnung für bakterienartige beziehungsweise andere mikroskopische Organismen. Und Astro für Himmel meint, dass es um bakterienartige Lebensformen geht, die wohl tatsächlich in der Tiefe des Weltalls überleben können.

Und diese werden entdeckt durch eine kosmische Anomalie, die sogenannte Petrowa-Linie. Das ist nämlich so etwas wie eine Ameisenstraße der Astrophagen, die sich auf einer Wanderschaft befinden zwischen der Sonne und einem anderen Planeten – ich glaube, es war die Venus. Und da entdeckt man halt diese Astrophagen und ist erst mal hin und weg und platt, dass es tatsächlich außerirdisches Leben gibt. Und dass es auch etwas ganz anderes ist, als man sich das irgendwie vorgestellt hätte. Man stößt dann allerdings aber auf ein weiteres Problem. Also was man jetzt erst nicht bedacht hatte. Denn alles, was lebt, muss ja irgendwas verstoffwechseln. Also wovon leben diese Astrophagen? Und man findet heraus: Diese Astrophagen ernähren sich von Licht, und zwar von der Lichtenergie, die die Sonne selbst abstrahlt. Und da kommt das Problem, nämlich durch ihren großen Energiehunger – die Astrophagen können unfassbare Mengen von Energie speichern – bewirken sie ein Verdunkeln der Sonne. Also sie entziehen der Sonne so viel Energie, dass es in absehbarer Zeit zu einer Sonnenverdunklung kommt.

Und das kann man sich dann ganz schnell zusammenreimen: Wenn die Sonnenleistung absehbar um 10 bis 15 Prozent zurückgehen wird, dann bedeutet das die absolute Katastrophe für die Erde. Denn wir brauchen natürlich das Sonnenlicht. Es wird also fieberhaft daran gearbeitet, was man tun kann, um dem Einhalt zu gebieten. Man stellt nämlich fest, dass auch umliegende Sonnensysteme von diesen Astrophagen wohl befallen zu sein scheinen. Denn auch da hat sich dieses solare Dimming eingestellt. Nur aus unerklärlichen Gründen hat sich im Sternbild bzw. beim Stern Tau Ceti das nicht ereignet. Und jetzt wird halt ein Raumschiff dorthin geschickt, um nachzusehen, um herauszufinden: Okay, warum ist das dort anders? Gibt es da irgendwas, was die Astrophagen davon abhält, diese Katastrophe, diese kosmische Katastrophe auszulösen? Und eben auf dieser Mission ohne Wiederkehr befindet sich unser Held. Denn er reimt sich dann auch zusammen, dass der Treibstoff, um dahin zu gelangen, nicht reicht, um ihn auch wieder auf die Rückreise zu schicken. Sondern er soll, wenn er diese Lösung gefunden hat, mit unbemannten Sonden die Antwort auf dieses Problem zurück zur Erde schicken. Aber es wird ihm nicht möglich sein, selbst zurückzukehren.

Auf seiner Reise lernt er dann tatsächlich richtiges außerirdisches, intelligentes Leben kennen. Das war für mich übrigens der ganz große Twist. Ich war nicht gespoilert durch irgendeine Art und Weise. Ich wusste gar nichts davon. Ich wusste nur, er ist auf dieser Rettungsmission, aber ich wusste nicht, dass er einem anderen Außerirdischen begegnen würde. Nämlich Rocky, so nennt er ihn, den er kennenlernt, der von dem Planeten Erid stammt. Den Planeten haben wir ihm selber gegeben, weil er von dem Stern 40 Eridani kommt, und dann hat er einfach gesagt: Okay, das sind die Eridianer. Und Rocky ist so außerirdisch, wie man sich einen Außerirdischen nur vorstellen kann. Er ist nicht mal ansatzweise humanoid. Im weitesten Sinne könnte man ihn als spinnenartig bezeichnen. Er ist ein Pentapode. Das heißt, er ist ein spinnenartiges Vieh mit fünf Beinen. Diese Beine wiederum gehen in Klauen über und er lebt in einer Atmosphäre, die für Menschen aber so was von tödlich ist, dass unser Held Ryland und er eigentlich gar nicht an einem gleichen Ort, also in einer gleichen Umgebung existieren können, sondern sie können sich dann auch nur über Töne miteinander verständigen. Denn Rocky hat auch gar keine ausgebildeten Sehorgane, sondern er kommuniziert nur über Schall. Dann ist jetzt erst mal die große Herausforderung, wie die beiden es schaffen, sich miteinander zu verständigen. Aber das gelingt ihnen.

Beide haben wissenschaftliche Grundkenntnisse. Außerdem ist Rocky sehr talentiert und sehr behände, irgendwelche Dinge herzustellen, um irgendwelche Sachen zu konstruieren, die man für Problemlösungen braucht. Sie suchen das Problem und stellen dann fest: Auch dort gibt es so was wie eine Petrowa-Linie in dem Sonnensystem. Sie folgen dieser Petrowa-Linie, also dieser Ameisenstraße, zu einem Planeten, den sie Adrian nennen. Dort treffen sie – und dann wird es jetzt langsam ein bisschen überreizt, finde ich – eine weitere außerirdische Lebensform, die sie die Taumöben nennen, auf Englisch taumoeba, aufgrund ihrer Form. Tau ist entsprechend dem Buchstaben T, also das sind so T-förmige Zellen, die Predator der Astrophagen sind. Also die fressen die, die sind Fressfeinde von denen. Und damit ist das Problem eigentlich gelöst. Wenn ich einen Fressfeind habe für irgendwelche Schädlinge, dann brauche ich nur diesen Fressfeind zu züchten und zu kultivieren. Damit kann ich das Problem beseitigen.

Das Letzte, was dann noch gelöst werden muss, ist das Problem, diese Taumöben zu züchten. Denn dummerweise sind die sehr empfindlich gegen Carbon Dioxide, also Kohlendioxid, den Hauptbestandteil der Atmosphäre der Venus. Das heißt, er muss erst mal einen Stamm züchten, der dafür geeignet wäre, dieses Problem zu lösen. Das gelingt ihm aber. Und dann, als er sich eigentlich schon auf die Rückreise machen will – denn Rocky hat glücklicherweise auch genug Treibstoff dabei, der ihm die Rückreise ermöglichen würde –, stellt er leider fest, dass er sich beinahe sein eigenes Grab geschaufelt hat. Denn diese Taumöben sind halt so fressgierig, dass sie auch seinen eigenen Treibstoff zerstören. Der Treibstoff ist nichts anderes als die Astrophagen selber. Diese können sich ja durch den luftleeren Raum, also durchs Weltall, bewegen und können tatsächlich dann auch als Antriebssystem verwendet werden. Und leider haben seine Taumöben seine eigenen Astrophagen gefressen.

Das Problem kriegt er zwar noch in den Griff, aber er stellt dann fest: Oh verdammt, das ist Rocky auch passiert. Und er hat dann die Entscheidung zu fällen: Kehre ich jetzt zurück zur Erde, um denen die Rettung zu bringen? Oder kehre ich um, um Rocky zu retten, der wahrscheinlich auch mit seinem Schiff festsitzt, irgendwo im All antriebslos vor sich hintreibt? Aber wenn ich das mache, habe ich halt keine Möglichkeit mehr, nach Hause zu kommen.

Nach Sönkes Meinung hätte der Roman genau an dieser Stelle enden sollen, wo unser Held vor dieser Entscheidung steht. Ich dagegen mag Happy Ends und freue mich, wie der Roman weitergeht. Also, wer jetzt wirklich noch was von dem Roman haben will, sollte spätestens jetzt ausschalten, wenn er nicht wissen will, wie der Roman ausgeht.

Er entscheidet sich natürlich für das moralisch Richtige, nämlich Rocky zu Hilfe zu eilen. Nachdem er natürlich die unbemannte Sonde auf den Weg gebracht hat – also die Erde wird so oder so gerettet –, aber er opfert sich halt selbst auf für seinen Freund. Eilt Rocky zu Hilfe, bringt sein Schiff auch wieder in Gang, und Rocky nimmt ihn dann mit zu seinem Heimatplaneten, obwohl natürlich klar ist, dass Ryland dort nicht wird überleben können. Macht aber nichts. So endet der Roman: Man hat es geschafft, eine eigene Blase auf dem Planeten zu erschaffen mit seinen atmosphärischen Bedingungen, in denen er doch überleben kann. Und der Roman endet mit einem schönen Happy End, dass Ryland tatsächlich wieder an das anknüpfen kann, was er ursprünglich gemacht hat. Er war nämlich High-School-Lehrer für Naturwissenschaften. Und das macht er jetzt halt bei den Eridianern. Das heißt, er macht Naturkunde- und Naturwissenschaftsunterricht für Außerirdische. Ich finde, das ist ein sehr schönes, versöhnliches Ende. Ich mag Happy Ends. Über Geschmack kann man sich nicht streiten.

Danke dir für die wunderbare Zusammenfassung. Ich mag das Happy End nicht, das stimmt korrekt. Ich mag alles, was auf dem Planeten der Außerirdischen spielt, nicht. Dass er ihm zu Hilfe eilt, das finde ich absolut gut. Ich brauche kein Happy End für ihn, weil meiner Meinung nach hat er keins verdient, weil er ein ganz schrecklicher Mensch ist. Er verhält sich die ganze Zeit gut. Er ist von Anfang an in die Geschichte verwickelt, er ist ganz toll, aber irgendwann wird er dann halt gefragt von dieser Diktatorin – wie Jürgen sie gerne nennt –, weil er ein ganz bestimmtes Gen hat, das ihm erlaubt, dass er in Kälteschlaf versetzt werden kann oder etwas, was ähnlich wie Kälteschlaf funktioniert und was die einzige Möglichkeit ist, die Menschen über diese lange Zeit diesen Raumflug überleben zu lassen. Das funktioniert natürlich nicht bei diesen zwei Kollegen. Und er kennt die ja, die hat mit ihm die ganze Ausbildung gemacht, aber er hat sich nie freiwillig gemeldet. Er wollte das nie. Und sie zwingt ihn aber am Ende.

Und verabreicht ihm ein Mittel – französisches Wahrheitsserum so ungefähr –, das so funktioniert, indem es dein gesamtes Kontextwissen löscht und Stück für Stück das Gedächtnis wieder zurückkommen lässt. Aber du hast deine ganzen Fähigkeiten. Also wenn man das jemandem gibt, der seine technischen Fähigkeiten hat, alle Passwörter weiß und so weiter, aber sonst nichts, dann holt man einfach Informationen aus ihm heraus. Es ist also nicht wichtig, jemanden zu zwingen, sondern eigentlich nur die Motivation, die Information nicht rauszugeben, auszuschalten. Das ist eine unglaublich coole Idee. Und genau das ist mit ihm halt passiert. Und deswegen hat er halt nur das Richtige getan die ganze Zeit, weil sein Charakter – also der Typ, der lieber auf der Erde geblieben wäre und hätte alle sterben lassen, nicht dass er darum gerissen hätte wegzugehen –, aber er wusste ja um die Fähigkeiten.

Und ich weiß, ich bin kein Lehrer. Und Jürgen ist das und kann das besser verstehen, dieses Ganze. Aber für mich war es einfach ein unglaublich selbstsüchtiger Charakter. Und ich denke nicht, dass er ein Happy End verdient hat. Ich finde es schön, dass er geläutert wurde. Und ich hätte ihn in dieser Läuterung entlassen. Denn diese Entscheidung, Rocky zu helfen, das war seine Läuterung. Und dafür brauche ich kein Happy End. Zumindest hätte ich es jetzt nicht lesen müssen. Für mich hat das nichts gegeben. Unnötig. Ich hätte es lieber in der Schwebe gelassen, ob seine Läuterung etwas gebracht hat oder nicht. Was ich natürlich gerne gewusst hätte oder wissen wollte, wäre, dass es den beiden Planeten gut geht. Diese Information ist natürlich am Ende bekommen, dass sich auch die Erde, die Sonne stabilisiert hat und der Planet der Außerirdischen auch stabilisiert ist und alles super.

Denn ich denke, wir sollten vielleicht erst über die Sprache reden, bevor wir über die einzelnen Charaktere oder was anderes reden. Ich denke, Jürgen wollte gerne über die Sprache.

Ja, mir ist das gleich. Fabian, sag was, du hast lange nichts mehr gesagt.

Das stimmt, ich hatte lange nichts mehr gesagt. Genau, einen guten Teil der Geschichte macht aus, wie der Hauptcharakter Grace und Rocky in Kontakt miteinander treten. Und dabei spielt Sprache eine ganz wichtige Rolle, weil die beiden erst mal einen Weg finden müssen, zusammen zu kommunizieren. Und ich finde, dass es auch eine Stärke des Buches ist, dass sich Andy Weir überlegt hat: Wie kann das funktionieren? Das hat mich im ersten Moment auch an eine Kurzgeschichte von Ted Chiang erinnert, die auch verfilmt worden ist: Arrival – das ist, glaube ich, der Titel des Films –, wo es auch um Sprache geht. Und ich finde, das gelingt hier sehr gut. Aber ich denke, du kannst viel mehr dazu sagen, Jürgen, als ich, oder?

Ja. Also, ich kann auch sagen, dass es ihm erstens sehr gut gelingt und zweitens ist es auch sehr gut und schlüssig durchdacht. Das war tatsächlich auch das Allererste, was mir in den Sinn kam. Okay, der hat jetzt also einen Außerirdischen kennengelernt. Und ich war tatsächlich mal gespannt, was Andy Weir sich dazu eben gedacht hat. Er hat nämlich zu diesem Problem des erst mal Nicht-Miteinander-Sich-Verständigen-Könnens – und mehr noch, dass sie ja offensichtlich ein völlig unterschiedliches Zeichensystem haben müssen, denn er kann sich eben nicht über Handzeichen respektive Schriftsprache oder so weiter verständigen, weil das alles Sehen voraussetzt – also: Wie bringt man jemanden dazu, sich mit jemandem zu verständigen, der einfach ein ganz anderes Zeichensystem hat?

Und mehr noch ist ja die ganze Findung der Zeichen – also wie ich auf die Idee komme, irgendwelche Zeichen als Repräsentant für irgendeine Sprache oder beziehungsweise für einen sprachlichen Ausdruck zu verwenden – ganz stark durch meine Kultur und meine Umgebung geprägt. Also hinter jedem Wort, was ich verwende, steckt ein gedankliches Konzept, um das mal so zu sagen. Wenn gewisse Konzepte in meiner Sprache einfach nicht vorhanden sind, dann kann ich die nicht artikulieren und kann sie anderen auch nicht verständlich machen.

Ein Beispiel dazu, das erklärt er auch sehr, sehr schön: Rocky hat keinen Geruchssinn. Und um Rocky verständlich zu machen, was Riechen eigentlich ist, hat Grace ihm einfach erklärt: Ja, riechen, das ist wie schmecken auf Distanz. Und dann dachte ich mir: Boah, das ist so unfassbar elegant, das einem so zu erklären. Das ist völlig schlüssig. Du gehst einfach aus von etwas, was man kennt, also zum Beispiel Sinneswahrnehmung, und vergleichst es halt damit. Und tatsächlich ist es so: Riechen ist nichts anderes als schmecken auf Distanz. Aber auf die Idee zu kommen, einem etwas so verständlich zu machen – das ist wirklich verblüffend.

Und wie geht man halt vor, wenn man versucht, mit irgendjemand anderem zu kommunizieren? Man geht natürlich von den absoluten Basisvokabeln aus, wo man davon ausgeht, dass sie, egal welche Sprache ich benutze, in allen Sprachsystemen vorkommen. Wie etwa, dass es ein Ja und ein Nein, ein Richtiges und ein Falsches geben muss. Mit solchen einfachen gedanklichen Konzepten fängt man an. Und so arbeitet er sich halt vor: ja, nein, groß, klein und so weiter und so weiter. Also er bildet Gegenpaare. Und dann natürlich auch komplexere Zusammenhänge wie unterscheiden können zwischen ich und du. Dann natürlich ausgehend von irgendwelchen Verben. Also dass man versucht, irgendwelche Tätigkeiten zu verknüpfen, die beobachtbar oder nachvollziehbar sind. Und dann zu sagen: Okay, wir sagen dazu so, wenn ich das und das mache. Ich finde, das ist…

Und das halt von… Um einmal kurz reinzugrätschen, sorry. Ich finde, das fängt schon vorher an. Weil der erste Schritt der Kommunikation ist ja tatsächlich Imitation. Rocky nähert sich seinem Schiff und dann passt er seine Geschwindigkeit dem Schiff an. Und Grace, also Ryland, der beschleunigt dann sein Schiff, dann beschleunigt Rocky sein Schiff. Er führt eine Bewegung durch, Rocky führt die andere Bewegung durch. Das ist ja schon im Grunde der allererste Punkt der Kontaktaufnahme und der Verständigung: Imitation. Noch bevor diese Konzepte von Ja und Nein auftauchen.

Ja. Was mich sehr verblüfft hat: Er hat dann als Nächstes Modelle gebastelt und hat sie quasi dem anderen als Geschenk überbracht beziehungsweise hat Geschenke zurückgekriegt. Und das fand ich sehr verblüffend, wie komplex diese Modelle dann waren. Also dass es gleich darauf hinauslief: Okay, ich hab eine Vorstellung davon, dass es Atome und Moleküle gibt. Also dass sie das gegenseitig verstanden haben, was das darstellen sollte. Also der Zugang über Verständnis von Wissenschaft und Verständnis von wissenschaftlichen Zusammenhängen.

Man hat bei den ersten Sonden, die man raus ins Weltall gejagt hat – ich weiß nicht, ob man das immer noch so macht.

Macht man nicht mehr.

Macht man nicht mehr? Okay. Da hat man so Platten darauf installiert, wo eingraviert Grundlagen der menschlichen Kultur festgehalten wurden. Nämlich natürlich eine Zeichnung von Mann und Frau, also wie wir Menschen so aussehen. Aber dann auch so Grundsätze wie zum Beispiel die Fibonacci-Zahlenreihe und so weiter. Weil man davon ausgeht, dass egal in welchen Winkel des Universums ich vordringe: Wenn ich davon ausgehe, dass überall die Naturgesetze dieselben sind, dann sind auch die Gesetze der Mathematik dieselben. Und wenn ich dann irgendeinem vernunftbegabten Wesen irgendetwas zukommen lasse, das signalisiert, dass ich ein Verständnis von mathematischen Systemen habe, dann ist das eigentlich, muss ich sagen, ein nicht unkluger Beweis dafür, dass irgendwo da draußen auch ein anderes intelligentes Wesen sein müsste.

Und warum man das nicht machen sollte, nämlich sich in die Tiefen des Weltalls überhaupt auf seine eigene Existenz aufmerksam zu machen, das wird im zweiten Teil der Trisolaris-Reihe, Der dunkle Wald, sehr gut erklärt. Eigentlich keine so clevere Idee. Aber na ja.

Naja, hier ist die Begegnung mit dem anderen, mit dem Alien ja sehr, sehr gut verlaufen. Ich finde, Andy Weir gelingt es sehr gut darzustellen, wie die beiden sich ergänzen. Also das scheint ja auch so ein grundroter Faden – die Kooperation –, das, was wir gleich noch unter dem Begriff Hopepunk besprechen werden. Und diese Kooperation haben wir auch zwischen Rocky und Ryland. Dass die beiden halt kooperieren und sich gegenseitig ergänzen. Rocky hat Fähigkeiten, die Ryland nicht hat, weil Ryland ist der Wissenschaftler, Rocky ist der Ingenieur. Und so ein bisschen spiegelt sich das halt auch in der Sprache wieder. Ryland kann sehen und Rocky kann halt gut hören. Und damit ergänzen sie sich dann auch gegenseitig. Und diese beiden Unterschiede machen sich dann auch in der Sprache und den Konzepten, die sie in der Sprache haben, bemerkbar.

Ja, zum Beispiel ist es nicht verwunderlich, dass die Eridianer ein ganz anderes Zahlensystem haben. Also, das fußt halt darauf, dass sie fünf Gliedmaßen mit jeweils drei Klauen haben. Und demzufolge sind die Uhren, die sie benutzen, zum Beispiel eine Vielfachung dieser Zahlenreihe, die sich daraus ergibt. Also dass wir mit dem Zehnersystem rechnen, ist nicht abwegig, weil wir einfach zehn Finger an der Hand haben.

Wobei es ja auch Zwanzigersysteme gibt. Und Sechzigersysteme.

Ja.

Zum Beispiel Zeit.

Und die haben wir noch von den Babyloniern.

Ja, die Babylonier, die haben alles. Das ist auch interessant. Warum haben die Babylonier das? Ich glaube, es gibt eine Erklärung, aber ich kenn sie nicht. Die waren ja die, die angefangen haben mit dem Sechzigersystem. Und das Zehnersystem kam ja erst dann mit den Griechen und den Römern. Das Zweiersystem kam dann halt durch die Computer.

Ja, aber in der französischen Sprache gibt es hier zum Beispiel ein System, das auf der Basis von 20 rechnet. Und Sechzigersysteme haben wir zum Beispiel auch klassischerweise in der babylonischen Kalenderrechnung. Und das kommt auch in der Zeugenzählung der Mayas vor. Also wir haben unterschiedliche Zahlenbasen, die sich tatsächlich entwickelt haben in unterschiedlichen Regionen auf der Erde.

Möchte jemand was zu dem Aliensken sagen? Also ist ihm das gut gelungen mit dem Fünffüßler? Oder ist es immerhin kein graues Menschlein mit einem zu großen Kopf?

Ich fand es wie bei Der Marsianer schon so unglaublich smooth. Ich habe ihm das alles abgekauft. Alles. Was wir noch gar nicht gesagt haben, sind die Astrophagen. Also dieses erste außerirdische Ding, was sie finden. Und wie unser Held eigentlich draufkommt: Unser Held hat mal einen Aufsatz geschrieben, der ihm auch sein ganzes wissenschaftliches Leben versaut hat, über die Entstehung von Leben ohne Wasser. Und dann kommt da daraus, dass diese Astrophagen, also die die Sonne leersaufen, einfach ganz normale Zellen sind. Das ist ein Einzeller. Aber die haben aus irgendeinem Grund in einer Hülle eine Möglichkeit, Energie aufzusaugen und dann sich dadurch zu teilen. Und deswegen sind sie die unglaublich geilsten Energiespeicher, die es überhaupt gibt. Und nur eigentlich dieser Energiespeicher erlaubt es dann auch, den Antrieb für diese Schiffe zu liefern. Weil im Moment hätten wir gar keinen Antrieb für so ein Schiff. Also dieses Ding, diese Astrophagen, erlauben dann auch den Antrieb. Und sie kommen auf geniale Ideen, wie man diese Astrophagen vervielfacht und so weiter. Und dann wird die ganze Sahara zugekleistert mit schwarzen Kästen. In diesen Kästen wird die Sonnenenergie gespeichert und dadurch vermehren sich diese Astrophagen da drin und werden abgeerntet.

Und die Außerirdischen, die – wenn ich mich richtig erinnere – tatsächlich nicht auf Wasser basieren, die leben in einer sehr, sehr dichten Atmosphäre und die schmeißen einfach Kugeln in einen See. Der ist halt 200-irgendwas Grad heiß. Und deswegen ist es überhaupt kein Problem für die. Die haben ja keine Ahnung von diesem Astrophagen-Zeug. Aber weil sie halt nichts sehen können und deswegen keine Sterne beobachtet haben, hatten die keine Idee von Relativitätstheorie, weil sie die Sterne nicht beobachten können. Und deswegen nicht auf diese Sachen gekommen sind, wo Gravitation halt nicht mehr funktioniert. Es ist so…

Ja, und leider wissen sie auch nichts von Radioaktivität.

Ja, wissen sie auch nichts von kosmischer Strahlung. Die haben keine Vorstellung von Strahlung. Deshalb ist Rocky auch der einzige Überlebende seines Raumschiffs gewesen, weil er sich zufälligerweise in einem Teil des Schiffs aufgehalten hat während der Reise, wo er weniger Strahlung abgekriegt hat. Und alle anderen sind strahlenkrank geworden und sehr schnell verendet. Und der hatte auch keine Erklärung dafür, warum die krank wurden und gestorben sind. Und ohne die Kenntnis der Relativität ist es eigentlich ein Wunder, diesen Zielpunkt zu erreichen, weil die halt einfach so dahingesegelt sind und gar nicht eigentlich verstehen konnten, wie das mit der Navigation hätte funktionieren können. Da ist Ryland auch sehr erstaunt, dass das überhaupt klappt. Über die Zeit, die auf seinem Heimatplaneten vergangen ist, weiß er nichts, aber das ist alles durch die Zeitdilatation. Es wird unglaublich gut erklärt. Es läuft alles so smooth, dass du es einfach nur glaubst. Es ist einfach wunderschön. Es ist super schön geschrieben. Es ist ein gutes Buch, keine Frage.

Genau. Astrophagen wollte ich kurz erwähnen, was passiert.

Warum ich das gerne Hope-Porn nenne? Ich bin noch gar nicht derjenige, der darauf gekommen ist, Hope-Porn zu nennen, anstatt Hopepunk. Also was auf der Erde halt passiert: Wir sehen, was offensichtlich ist. Die Leistung der Sonne geht zurück und das führt zu Problemen. So. Niemand stellt das in Frage. Jetzt im Gegensatz zu Don’t Look Up, wo ein Asteroid auf die Erde zufliegt, wird es sofort in Frage gestellt. Oder wie wir jetzt gerade Realität haben mit der Klimakatastrophe. Das wird alles in Frage gestellt. Leute denken, darüber kann man diskutieren. Man kann da verschiedene Meinungen haben. Das sind einfach Tatsachen, und das kann man nicht. Da hat man auch die Astrophagen. In dem Fall wird das nicht in Frage gestellt. Das ist der Punkt, den ich nicht glaube. Das ist wunderschön rübergebracht. Dann entscheidet sich die gesamte Menschheit dazu, was auch unmöglich wäre, dass die Menschheit sich auf irgendetwas entscheidet, in einer absehbaren Zeit eine einzige Person in den Stand zu versetzen, alle Ressourcen der Menschheit zu verwenden. Und es ist auch die einzige Möglichkeit, dazu zu kommen.

Wir haben einen Planeten, der in Klimaerwärmung aufgehalten wird durch diese Astrophagen, die es sofort durchmachen, dass es ein paar Jahre merklich kälter wird. Und deswegen müssen verschiedene klimazerstörende Sachen gemacht werden. Das fand ich auch sehr cool. In anderen Büchern, in denen das vorkommt, ist… ach Gott… der Mann mit den Bunnys… wir hatten das auch mal besprochen, diese Bunny-Welt… wie heißt das… Early Riser von Jasper Fforde.

Ja.

Und das Buch heißt Early Riser, also Frühaufsteher. Und es ist auch so in einer Welt, in der die Klimakatastrophe eingetreten ist oder anders eingetreten ist, aber auf jeden Fall wird Europa sehr viel kälter. Und die große Idee, die die da haben, ist halt, alle Kohlereserven, die sie noch haben, irgendwie zu verbrennen. Ganz Wales ist unter Feuer, weil sie einfach die Kohleflöze angezündet haben in der Hoffnung, das würde irgendwie die Welt ein bisschen erwärmen. Fantastisch trotz allem.

Natürlich hat der Roman noch seine Kritiker. Also irgendein – ich hab das auch verlinkt in den Shownotes – es gibt tatsächlich so Schlaumeier, die sich wirklich in dem Thema Rocket Science auskennen und dann nachrechnen. Und da bin ich halt leider ausgestiegen. Also da fehlt mir leider das Verständnis für die physikalische Mathematik, die dahintersteht. Aber man kann das tatsächlich auf einer Internetseite nachlesen, wo jemand ausrechnet, dass das so nicht funktioniert. Überhaupt mit dieser Reise, die er da antritt, weil er auf, glaube ich, vierfache Lichtgeschwindigkeit kommen müsste, wenn ich die Formel richtig verstanden habe. Und das geht halt nicht. Also diese Reise, auf die er sich da macht, die funktioniert mal wieder nicht. Weil er eigentlich viel schneller hätte reisen müssen, als das technisch machbar ist. Das ist eine Sache, die nicht funktioniert.

Und das andere, woran ich mich eigentlich weniger gestoßen habe, ist die These, dass die Eridianer, also Rockys außerirdisches Volk, keine Sehorgane entwickelt hätten, weil sie sich auf dem Grund eines Planeten befunden hätten mit einer so dichten Atmosphäre, dass die Sonne da eh nicht durchdringen würde. Und dann wird da auch einem schlau-meiermäßig vorgerechnet, dass das so nicht stimmt, sondern mit der Atmosphäre und der Zusammensetzung wird das Sonnenlicht zwar gedimmt, aber in der Tiefe von so und so vielen Metern kommt dann trotzdem noch Sonnenlicht an. Das wird zwar ein sehr trübes und dunkles Licht, aber völlig lichtlos wäre es nicht. Das Optimalste wäre es sicherlich nicht, dort Sehorgane zu entwickeln, aber es wäre mit dieser Begründung, die Andy Weir uns in dem Roman gibt, so nicht richtig. Denn es wäre nicht so, dass diese Welt in absolute Dunkelheit getaucht wäre.

Und dann hab ich mir gedacht: Boah, okay, da kann man sich jetzt drüber aufregen, aber…

Ich will also Beweise. Das ist der Flieger, der fliegt nach Alpha Eridani, macht Bilder davon, ob die Augen haben oder nicht. Dann kommen wir wieder zurück, dann reden wir noch mal.

In dem Fall haben wir hier einen Autor vom Schlage Erik von Däniken.

Das klingt ja so, als würdest du den Klimawandel relativieren. Jetzt hör mal auf.

Nee.

Nee, halt, komm. Das ist jetzt nicht…

Boah Mann, Jürgen, der war gut.

(Lachen)

Der war echt gut. Nee, ich denke, das ist tatsächlich was, wo man darüber diskutieren könnte. Genau wie man darüber diskutieren kann, weiß ich nicht, mit meinem Sohn: Ob Dinosaurier erst Federn entwickelt haben und dann fliegen gelernt haben. Oder ob man erst fliegen lernte, weil man dann Federn dazu entwickelt hat, um besser zu fliegen. Was so eine interessante Fragestellung ist, die mich aber auch komplett nicht interessiert, weil wir wissen, dass alle Vögel jetzt Federn haben. Also ist es eigentlich wurst, was zuerst da war.

Okay, mit dieser Nummer zurück zu seiner netten Dame, Stratt, heißt sie, glaube ich.

Ja, Eva Stratt.

Eva Stratt. Ein wunderbarer Charakter. Ich finde: bester overpowered Charakter aller Zeiten, ever. Besser noch als One Punch Man.

Oder Thanos, besser als das.

Mega. Mega. Absolut. Stärkster Charakter, nicht nur stärkster weiblicher Charakter, sondern stärkster Charakter für mich ever. Beste Nebendarstellerin, Oscar, alles daran. Liebe sie absolut. Wenn sie das echt verfilmen, hoffe ich, dass sie das supercool rüberbringen und nicht ändern.

Dann, ich habe eine Kritik gehört – diese Kritik wurde ein bisschen von der Realität gerade überholt – diese Kritik sagte: Ja, es sei wieder so ein verrückter Russen-Trope drin. Und das fand ich nicht gut. Ich dachte: Ja, verrückter Russen-Trope. Tja. Leider beweist die Realität, dass das gar nicht wirklich ein Trope ist.

(Lachen)

Ja, schade.

Es gibt Gründe, warum Stereotypen entstehen.

Ja, es gibt Gründe, warum Stereotypen entstehen.

Ja, leider. Leider. Wir wissen jetzt: Es ist gar nicht – es ist halt… Aber es sind sympathische verrückte Russen. Es sind sympathische verrückte Russen drin. Und mehr wollen wir nicht über Russen im Moment sagen.

Ja. Das war’s auf meiner Liste. Absolute Empfehlung. Habt ihr noch was, worüber ihr sprechen wollt?

Ja, ich kann nur noch mal bekräftigen: absolute Empfehlung für alles, was Andy Weir rausgehauen hat. Halt auch Artemis. Ich versuche mich jetzt – das möchte ich meinen Hörerinnen und Hörern versprechen – an einem Vergleich mit The Dark Side in einer eigenen Episode. Das fände ich cool, wenn wir das hinkriegen. Wenn nicht, dann halt nicht, aber ich arbeite daran.

Aber bitte schreib mir einfach bei Signal die Antwort auf The Egg, weil ich mich jetzt daran – es ist schon so spät, ich kann morgen früh, wenn ich anfange mit dem Schneiden – vergess es morgens sofort.

Ich bin der Einzige, der Signal benutzt, aber nur nebenbei.

Ich benutze auch Signal, ich hab’s auf jeden Fall installiert. Wir benutzen nur was anderes, weil sich ein paar Leute weigern, Signal zu verwenden.

Vielleicht sollten wir keine Werbung für Signal machen.

(Lachen)

Noch verdient Sönke für uns kein Geld mit seinem Podcast. Er träumt davon, dass er Geld verdient. Wir machen das aus Spaß an der Freude.

Liebe Leute da draußen: Ich will nichts damit verdienen. Ich würde nur gern nicht arm werden.

Das schneiden wir nicht mehr. Wir sind menschlich, wenn wir nicht alles schneiden. Als ich angefangen habe, hat man mir gesagt, ich muss jedes „Ähm“ schneiden, was für 200 Schnitte pro Episode gesorgt hat. Bis Leute gesagt haben: Das ist eigentlich unnatürlich, dass ihr das alles schneidet. Wir finden das viel schöner, wenn wir da frei reinsprechen. Ich sag: Hey, wie mein Gast. Das ist weniger Arbeit. Wenn ihr anderer Meinung seid, wenn ihr das wieder höher produziert haben wollt, weniger Lacher, weniger Ähms und so weiter, sagt’s einfach. Und das wird gemacht.

Ich glaube, ich muss dafür Chatbots losschicken, damit du dann zwei Millionen Zuschriften kriegst und die Leute sagen: Okay, Sönke, kannst du das so machen? Aber bei Jürgen die Ähms rausschneiden, das klingt unprofessionell.

Die Frage ist, ob’s sympathisch ist oder nicht.

Ach, ich hasse mein Gestotter.

Du hast ehrlich gesagt gar nicht so viel gestottert, wie du dich darüber lustig machst.

Anyway. Hail Mary – endlich mal wieder ein schönes Thema, über das man sich in voller Breite einfach nur freuen kann. Das war ein wunderbares Buch, hat mir gut gefallen, hat euch gut gefallen.

[Sanfte Musik]

Würde auch verdienen, verfilmt zu werden. Sind die Rechte schon weg?

Die Rechte sind verkauft. Die Verfilmung ist auch schon geplant. Also ich glaube, der hat die Filmrechte auch schon verkauft, bevor das Buch überhaupt rausgekommen ist. Wir können wahrscheinlich damit rechnen, dass der Film bald rauskommt.

Ja, er hat noch einen Roman oder so auf der Homepage, hab ich geguckt. Schwarz-weiß, mega. The Egg ist natürlich drauf. Ich glaube, ohne es genau zu wissen: The Egg war das Erste, was ihn bekannt gemacht hat. Dann hat er den Roman draufgestellt und dann hat das irgendwie alles gemacht. Was doch irgendwie zeigt – wenn es so ist, wie ich mir vorstelle –, dass man mit Kurzgeschichten doch was erreichen kann.

Ich hab mir gerade eben die tausend Wörter, vier Seiten zwischendurch gelesen. Tolle Geschichte. Gibt x Adaptionen auf YouTube. Und ich guck mal, ob wir irgendwie das Recht bekommen, das auch kurz in den Podcast reinzumachen. Ich hab denen schon eine Mail geschickt mit einem Satz. Mal gucken, ob wir eine Antwort kriegen oder nicht.

Also, um das noch mal zu ergänzen: Bekannt hat ihn vor allen Dingen auch seine Comicgeschichten, die er auf seiner Internetseite mit veröffentlicht hat.

Gut. Also, ich hab da zwei-, dreimal gelesen, dass gesagt wurde, dass das auch für den Erfolg seines Romans gesorgt hat. Seine Bekanntheit durch diese Comic-Strips. Von denen kenn ich jetzt keine. Aber auch das kannst du – wenn du was Schönes hast – schicken.

Schick’s mir und schick’s auf Twitter.

Genau, schick’s Jürgen und schick’s auf Twitter. Schick’s mir und schick’s in die Shownotes. Alles, was zu finden ist, soll mir recht sein.

Ich hab jetzt in Vorbereitung auf diese Episode auch schon ein paar Sachen in die Shownotes gestellt. Diese naturwissenschaftliche Kritik. Dann hab ich einen Artikel dazu gefunden: Wie ist das eigentlich mit Aliens? Wie sollen die eigentlich immer aussehen? Weil man so immer auf den Fehler macht, die zu anthropomorphisieren. Das heißt, dass man denen ungerechtfertigterweise immer menschenähnliche Gestalt gibt. Am peinlichsten finde ich das immer wirklich bei dem Star-Trek-Franchise. Alle Außerirdischen sind immer humanoid und haben nur andere Höcker auf der Stirn. Das finde ich immer so ein bisschen albern. All die Jahrzehnte durch haben die das immer so gemacht, um menschliche Darsteller zu nehmen. Fand ich immer sehr einfallslos.

Die Schauspieler, die hängen da rum und kriegen keine Jobs. Immer Menschen, die ganzen – immer Menschen. Alle werden von Menschen gespielt.

Früher konnte man sich nicht mal das leisten.

Ja.

Alles gut. Ich weiß, es war nur so schön, wie du es gesagt hast. Alle Schauspieler sind Menschen. Das war nicht so gut.

Ja, das sind sie auch.

Immerhin gibt es bei Star Trek eine pseudowissenschaftliche Erklärung dafür, warum die alle humanoid sind.

Ja gut, machen wir nicht Star Trek heute. Was kommt als Nächstes?

Auf meiner Liste steht Roadside Picnic. Das wird ganz mega.

Genau. Was auch verfilmt wurde unter dem Namen Stalker, den ich mir noch angucken muss.

Roadside Picnic habt ihr beide schon gelesen?

Picknick am Wegesrand hab ich mir reingezogen. Ich hab’s auf Englisch. Und Stalker hab ich mir auch angeguckt und die Doku dazu.

Super. Und ich hoffe, Adam wollte auch mitmachen. Wenn es eine Doku dazu gibt, kannst du mir die bitte auch geben?

Ich müsste einfach neu danach suchen auf YouTube. Ich dachte, ich hätte das geschickt.

Sei so lieb und schick mir Links, dann mach ich Vorbereitung.

So, dann…

Super.

Zur selben Zeit – beim nächsten Mal reden wir über Picknick am Wegesrand und den Film dazu. Schönes Buch. Vielleicht nicht so lustig wie heute. Aber es wird ganz toll. Damit würde ich sagen…

Bestimmt.

Hallo. Nur ganz kurz, hier ist Sönke aus dem Schnitt. Ich finde diese Kurzgeschichte The Egg fantastisch. Und ich würde sie euch… Ich habe gefragt, ob wir sie für Podyssey und Rewrite einsprechen lassen können. Und wir haben tatsächlich binnen einer Stunde die Erlaubnis bekommen. Und die fantastische Verena Wilhelmy hat uns die Geschichte eingesprochen und die gibt es auf Podyssey.de. Und sie kommt auch jetzt. Viel Spaß damit.

The Egg von Andy Weir.

Du warst auf dem Heimweg, als du gestorben bist. Es war ein Autounfall. Nichts speziell Bemerkenswertes, aber dennoch tödlich. Du hast eine Frau und zwei Kinder hinterlassen. Die Notärzte haben ihr Bestes gegeben, um dich zu retten. Aber ohne Erfolg. Dein Körper war so zerschmettert, dass du so ohnehin besser dran bist. Vertrau mir.

Und dann hast du mich getroffen.

„Was ist passiert?“, hast du gefragt. „Wo bin ich?“

„Du bist gestorben“, sagte ich, sachlich gesprochen. Kein Grund für Schönrederei.

Da war ein Lkw, der ins Schleudern geraten ist.

„Japp“, sagte ich.

„Ich… ich bin tot?“

„Japp. Aber mach dir nichts daraus. Jeder stirbt“, sagte ich.

Du hast dich umgeschaut. Da war nichts. Nur du und ich.

„Du bist gestorben“, sagte ich. „Der Rest ist erledigt.“

„Wo sind wir hier?“, hast du gefragt. „Ist das hier das Leben nach dem Tod?“

„Mehr oder weniger“, sagte ich.

„Bist du Gott?“, fragtest du.

„Japp“, erwiderte ich. „Ich bin Gott.“

„Meine Kinder. Meine Frau“, sagtest du. „Was ist mit ihnen? Geht es ihnen gut?“

„Genau das sehe ich gerne“, sagte ich. „Du bist gerade gestorben und deine Hauptsorge gilt deiner Familie. Das ist eine gute Sache.“

Du sahst mich mit Faszination an. Für dich sah ich nicht aus wie Gott. Ich sah aus wie irgendein Mann. Oder wahrscheinlich eine Frau. Vielleicht wie eine vage Autoritätsperson. Mehr wie ein Grundschullehrer als wie der Allmächtige.

„Mach dir keine Sorgen“, sagte ich. „Mit ihnen wird alles gut. Deine Kinder werden sich an dich als umfassend perfekt erinnern. Sie hatten keine Zeit, dich gering zu schätzen. Deine Frau wird nach außen hin weinen, aber heimlich erleichtert sein. Um fair zu sein: Eure Ehe war dabei, auseinanderzufallen. Wenn es dir ein Trostpflaster ist: Sie wird sich sehr schuldig fühlen, dass sie sich so erleichtert fühlt.“

„Oh“, sagtest du. „Also, was passiert jetzt? Komm ich in den Himmel oder in die Hölle oder irgendwas?“

„Nichts dergleichen“, sagte ich. „Du wirst reinkarniert.“

„Ah“, sagtest du. „Dann hatten also die Hindus recht.“

„Alle Religionen haben auf ihre eigene Weise recht“, sagte ich. „Geh mit mir ein Stück.“

Du folgtest mir, als wir durch die Leere spazierten.

„Wo gehen wir hin?“

„Nirgendwo Spezielles“, sagte ich. „Es ist einfach nett, ein bisschen zu laufen, während wir sprechen.“

„Also, worum geht es überhaupt?“, fragtest du. „Wenn ich wieder geboren werde, bin ich ein unbeschriebenes Blatt, oder? Ein Baby. Also werden alle meine Erfahrungen und alles, was ich in meinem Leben getan habe, nicht von Bedeutung sein.“

„Nein“, sagte ich. „Du trägst alles Wissen und alle Erfahrungen von all deinen vergangenen Leben in dir. Du erinnerst dich jetzt einfach nicht an sie.“

Ich hielt an und fasste dir an die Schulter.

„Deine Seele ist großartiger, schöner und gigantischer, als du dir irgendwie vorstellen könntest. Ein menschlicher Geist kann nur einen winzigen Teil von dem erfassen, was sie ist. Es ist, als ob man seinen Finger in ein Glas Wasser steckt, um zu sehen, ob es heiß oder kalt ist. Du steckst einen winzigen Teil von dir selbst in das Gefäß, und wenn du ihn wieder herausziehst, hast du alle Erfahrungen daraus erhalten. Du warst die letzten 48 Jahre in einem Menschen, also hast du dich noch nicht ausgebreitet und den Rest deines immensen Bewusstseins gefühlt. Wenn wir lange genug hier bleiben würden, würdest du anfangen, dich an alles zu erinnern. Aber darin liegt kein Sinn, das zwischen den Leben zu tun.“

„Wie oft wurde ich denn bereits reinkarniert?“

„Oh, viele Male. Viele, viele Male. Und in vielen verschiedenen Leben“, sagte ich. „Dieses Mal wirst du eine chinesische Bäuerin im Jahr 540 nach Christus.“

„Warte, was?“, hast du gestammelt. „Du schickst mich zurück in der Zeit?“

„Nun ja, technisch gesehen schon. Zeit, so wie du sie kennst, existiert nur in deinem Universum. Die Dinge laufen anders da, wo ich herkomme.“

„Wo kommst du her?“, sagtest du.

„Also sicherlich“, erklärte ich, „komme ich irgendwo her. Irgendwo anders. Und es gibt andere wie mich. Ich weiß, du möchtest wissen, wie es dort ist, aber ehrlich gesagt, würdest du es nicht verstehen.“

„Oh“, sagtest du, etwas niedergeschlagen.

„Aber warte mal, wenn ich wieder geboren werde, zu anderen Plätzen in der Zeit, könnte ich doch irgendwann mal mit meinem Selbst interagiert haben.“

„Klar. Passiert ständig. Und dadurch, dass beide Lebensspannen nur über sich selbst bewusst sind, würdest du gar nicht wissen, dass es passiert.“

„Und was ist dann der Grund für das alles?“

„Ernsthaft?“, fragte ich. „Ernsthaft? Du fragst mich nach dem Sinn des Lebens? Ist das nicht ein bisschen stereotypisch?“

„Nun, es ist eine angemessene Frage.“

Ich sah dir in die Augen.

„Der Sinn des Lebens, der Grund, warum ich dieses ganze Universum erschaffen habe, ist, damit du heranreifst.“

„Du meinst die Menschheit? Du willst, dass wir reifen?“

„Nein, nur du. Ich habe dieses gesamte Universum für dich erschaffen. Mit jedem neuen Leben, das du lebst, reifst du heran und wirst zu einem größeren und großartigeren Intellekt.“

„Nur ich? Was ist mit allen anderen?“

„Es gibt keine anderen“, sagte ich. „In diesem Universum gibt es nur dich und mich.“

Du starrtest mich mit leeren Augen an.

„Aber all die Menschen auf der Erde…“

„Alles nur du. Verschiedene Inkarnationen von dir.“

„Warte. Ich bin alle?“

„Jetzt hast du es“, sagte ich, mit einem gratulierenden Klaps auf den Rücken.

„Ich bin jeder Mensch, der jemals gelebt hat oder der jemals leben wird.“

„Ja.“

„Ich bin Abraham Lincoln.“

„Und du bist auch John Wilkes Booth“, fügte ich hinzu.

„Ich bin Hitler?“, fragtest du entsetzt.

„Und die Millionen, die er umgebracht hat.“

„Ich bin Jesus und jeder, der ihm gefolgt ist.“

Du fielst in Stille.

„Jedes Mal, wenn du jemanden schikaniert hast“, sagte ich, „hast du dich selber schikaniert. Jeden Akt der Freundlichkeit hast du dir selber getan. Jeder glückliche und traurige Moment, der jemals von einem Menschen erfahren wurde, wurde von dir erfahren.“

Du dachtest eine lange Zeit nach.

„Warum?“, fragtest du mich. „Warum das alles?“

„Weil du eines Tages wie ich sein wirst. Weil es das ist, was du bist. Du bist einer von meiner Art. Du bist mein Kind.“

„Oh“, sagtest du skeptisch. „Du meinst, ich bin ein Gott?“

„Nein, noch nicht. Du bist ein Fötus. Du wächst noch. Wenn du jedes menschliche Leben der gesamten Zeit gelebt hast, wirst du genug gewachsen sein, um geboren zu werden.“

„Also ist das gesamte Universum, es ist nur ein…“

„Ein Ei“, antwortete ich. „Jetzt ist für dich an der Zeit, dein nächstes Leben zu leben.“

Und ich schickte dich auf deinen Weg.

Sie hörten The Egg von Andy Weir. Ins Deutsche übersetzt von Stefan Zisting. Gesprochen von Verena Wilhelmy. Eine Produktion von Podyssey.de.

Damit würde ich sagen: auf Wiederhören und tschüss!

Tschüss!

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