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Unser digitales Leben befindet sich in der Hand weniger Überreicher. Mit der Monopolstellung ihrer Unternehmen bestimmen Menschen wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg weltweit, wie wir uns online informieren, wie wir diskutieren, kommunizieren oder handeln. Einen solchen unkontrollierten Einfluss sollte kein Mensch und kein Unternehmen besitzen, weil wir dann nicht mehr in Freiheit leben können. Die gute Nachricht: Diese Macht geben wir ihnen derzeit, und wir können sie ihnen auch wieder nehmen!
Transkript
Willkommen zum Rewrite Podcast, dem Science-Fiction-Analyse- und Schreibpodcast, heute mit Jürgen.
Hallo Jürgen.
Hallo Sönke und hallo Welt da draußen.
Und mit mir und mit sonst niemandem. Wir sprechen heute über Marc-Uwe Klings QualityLand und QualityLand 2, wenn wir schon mal dabei sind.
Genau. Ich habe versucht, etwas über den Autor herauszufinden, und es gibt herzlich wenig über Marc-Uwe Kling zu sagen.
Ja, ja, das ist jemand, der sich gerne rar macht.
Ja, aber abgesehen davon, dass es in diesem Fall keine Frage gibt, in welcher Form man am besten seine Werke sich einverleiben sollte – und zwar ist das immer das Hörbuch, das er auch immer selber liest. Marc-Uwe Kling ist ein Kleinkünstler aus Berlin, und es wird vermutet, dass er mit einem Känguru zusammenwohnt. Wenigstens hat er dazu mindestens vier Bücher geschrieben und als Hörbücher vertont. Es gibt eine Radiosendung, in der dieselben Tonschnipsel vorkommen. Es gibt Comics dazu. Er hat Kurzgeschichten geschrieben. Er hat dann noch zwei Romane zu QualityLand geschrieben, über die wir heute sprechen wollen. Und ein Aufklärungsbuch hat er dann noch geschrieben. Und ja, er hat zwei Filme gemacht, und er hat für den zweiten Film sogar das Drehbuch geschrieben. Den Film habe ich noch nicht gesehen, würde ich mir aber angucken. Er hat auch ein paar lustige Kinderbücher gemacht.
Genau. Das NEINhorn ist auch noch … und ein Kartenspiel und irgendwas.
Halt mal kurz, genau, das ist ein Kartenspiel.
Genau. Also, er ist sehr vielseitig, das muss man ihm zugestehen. Ja, und lustig.
Genau. Und wie ich schon gesagt habe: Seine Werke entfalten ihre Wirkung wirklich ganz extrem dadurch, dass man sich seine selbst eingesprochenen Hörbücher geben sollte. Also gelesen kommt es bei weitem nicht so rüber, als wenn man ihn das selber vortragen hört mit diesen verteilten Rollen. Er ist sehr stimmgewaltig, möchte ich sagen. Er hat das einfach richtig, richtig gut drauf. Und das ist sehr unterhaltsam anzuhören.
Genau. Also, er spielt sich nicht selber in den Filmen, was ich lustig, aber auch verständlich finde. Was halt dann schade ist, weil dann Marc-Uwe in den Känguru-Filmen nicht die Marc-Uwe-Stimme hat – aber wenigstens spricht er das Känguru. Dann ist es ja … also, ich freue mich sehr, den zweiten Film zu gucken. Den ersten habe ich im Kino gesehen. Der zweite kam dann gerade zu Anfang/Ende von Covid. Auf jeden Fall habe ich es nicht geschafft, den im Kino zu sehen.
So, ich würde sagen, Jürgen, du fasst das erste Buch zusammen, dann reden wir ein bisschen drüber, dann fasst du das zweite Buch zusammen, und dann machen wir Schluss.
Können wir so versuchen. Die Zusammenfassungen sollen auch relativ kurz ausfallen. Denn ich bemühe mich jetzt, obwohl ja du sagst, wir spoilern grundsätzlich, bemühe ich mich jetzt mal, nicht allzu sehr zu spoilern, weil es auch schwierig würde, das Ganze kleinschrittig mit den illustren Figuren und den verschiedenen Handlungssträngen, zwischen denen ständig hin- und hergesprungen wird, zusammenzufassen. Ich bemühe mich mal drum.
QualityLand ist ein Roman, erschienen im September 2017. Das Ungewöhnliche daran ist zuallererst, dass es zwei Editionen davon gibt. Es gibt die helle und die dunkle Edition. Das hat damit zu tun, dass dieser Roman – modern nennt man das – in Montagetechnik konzipiert ist. Die Haupthandlung, die sich um die Hauptfigur Peter Arbeitsloser dreht – warum der so heißt, werde ich nachher noch erklären –, wird immer wieder unterbrochen und durchsetzt von eingewobenen Werbespots oder Presseberichten. Und je nachdem, ob man die helle oder dunkle Version des Romans erstanden hat, sind diese unterbrechenden Schnipsel von einer anderen Gestalt. Also, die dunkle Version ist eher so die düstere, bösartigere Version, und die helle Version hat dann eher so optimistischere und positiv gestimmte Medienbeiträge. Das stammt natürlich alles aus der Feder Marc-Uwe Klings, aber das Ganze unterstützt ganz fantastisch das Worldbuilding, was er dort nämlich betreibt.
QualityLand – Namensgeber ist eben die Welt, in der das Ganze spielt. Es geht darum, dass ein Land, wo nicht genauer bestimmt ist, wo das sein soll – es könnte sich um ein großeuropäisches Reich handeln –, also der deutschsprachige Raum Europas könnte zum Beispiel zu QualityLand umbenannt werden, und andere Regionen der Welt heißen dann nicht mehr QualityLand, sondern werden der Einfachheit halber QuantityLand genannt und dann durchnummeriert. Es ist zu mutmaßen, dass QuantityLand 1 China sein soll, und andere Länder sind nicht näher bestimmt.
Und worum geht es bei QualityLand? Es geht darum, dass ein Land sich neu erfunden hat und sich einfach erklärt zu einem Land der Superlative. Es ist nämlich komplett durchdrungen von künstlicher Intelligenz, die den Menschen in vielerlei Hinsicht die Arbeit abnimmt, wenn nicht gar sie arbeitslos macht. Die Maschinen sind sogar so hoch entwickelt, dass sie oftmals eigene Persönlichkeiten haben. Und wenn man eine Persönlichkeit besitzt, kann man auch unter Persönlichkeitsstörungen leiden. Und das ist die Aufgabe, die die Hauptfigur Peter Arbeitsloser hat. Er ist nämlich damit betraut, Maschinen, die als irreparabel gestört angesehen werden, aus dem Verkehr zu ziehen. Er hat nämlich eine Schrottpresse zu Hause und soll dann eigentlich diese Maschinen im wahrsten Sinne des Wortes platt machen. Aber er tut das nicht. Er hat so einen heimlichen Gnadenhof in seinem Keller, wo er diese Maschinen, die alle unterschiedliche Marotten haben, als seine sonderbaren, schrägen Freunde beherbergt. Da ist zum Beispiel eine Flugdrohne mit Höhenangst, ein Liebesroboter, der neurotisch ist, eine androidische Autorin, die eine Schreibblockade hat, und ein Kampfroboter mit einer posttraumatischen Belastungsstörung.
Man kann sich schon vorstellen, dass das alles sehr skurril und schrill ist. Der ganze Roman ist eigentlich eine Aneinanderreihung von Absurditäten, damit angefangen zum Beispiel, dass man andauernd heimgesucht wird von Flugdrohnen, die einem Lieferungen von dem größten und erfolgreichsten Onlinehandel überhaupt bringen, nämlich von TheShop. Wir wissen das natürlich heute in modernen Zeiten schon, dass Algorithmen und Social-Media-Plattformen ein ständiges Profiling betreiben. TheShop hat das so sehr ausgeklügelt, dass die Kunden überhaupt nicht mehr irgendwas bestellen müssen. Sie müssen gar nicht mehr Wünsche äußern, sondern TheShop weiß vorher schon, was die Kunden unbedingt haben wollen. Zum Beispiel die neueste Ausgabe eines Produktes oder irgendwas anderes, wovon sie angeblich gar nicht wussten, dass sie es haben wollten.
Damit beginnt auch die Handlung, dass Peter Arbeitsloser eine Lieferung von TheShop kriegt, und er ist mal gespannt, was das denn sein soll. Und dann entfaltet sich der Konflikt dieses Romans: Er kriegt etwas, was er gar nicht haben will, nämlich einen rosafarbenen Delfin-Vibrator. Und was will er, als jemand, der gerade seine Freundin verloren hat, mit so einem Ding? Und er möchte das Teil zurückgeben und stellt dann fest, dass das gar nicht so einfach ist. Denn man kann sich nicht mit einem Megakonzern anlegen, der natürlich viel besser weiß, was man will, als man selbst. Und er findet dann halt heraus, dass sein Online-Profil, das irgendwie generiert wurde, wohl nicht ganz der Wahrheit entspricht.
Und das ist die große Kulturkritik, die in diesem Roman eben aufkommt: dass die Profilbildung der Menschen durch ihr Online-Verhalten unter Umständen gar nicht zutreffend sein muss und dass Menschen unter Umständen in ein Verhalten hineingedrängt werden. Die weitere Kritik ist natürlich in dem Roman der ganze Irrsinn, der mit der Automatisierung und dem allen einhergeht, dass man viele Systeme einfach sich selbst überlässt und gar keine Kontrolle mehr hat über die Welt, in der man lebt.
Dann noch nebenbei haben alle Personen, die in QualityLand leben, einen Level, der von 1 bis 100 geht. Und je nach Levelhöhe haben sie bestimmte Zusatzfähigkeiten, wie zum Beispiel eine Ampel mit Schnipsen auf Grün umschalten oder im Aufzug bestimmen, dass der Aufzug erst in dem eigenen Stockwerk seiner Wahl anhält und die anderen warten müssen usw. Und je höher man gestuft ist, desto mehr Macht hat man halt über andere. Und die Leute, die unter Level 10 sinken, gelten als asozial und nutzlos, und dann wird es halt zum Teil auch richtig fies. Das ist zum Beispiel eine der düsteren Seiten dieser absurden Welt: dass die Nutzlosen zum Beispiel eine kostenlose Abtreibung bezahlt bekommen auf Staatskosten, damit die sich nicht weiter vermehren, und dass das zum Beispiel in manchen Ländern auch missbraucht wurde, weil dann Leute absichtlich sich fortgepflanzt haben, um eben dann die Abtreibungsprämie zu kassieren.
Ja, und nach einigen Irrungen und Wirrungen versucht Peter Arbeitsloser, seinen Vibrator loszuwerden, und schafft es dann schließlich auch, indem er zum Konzernchef vordringt. Und trotzdem kriegt er dann mit seiner nächsten TheShop-Sendung wieder einen Delfin-Vibrator geschickt und findet sich dann schließlich auch damit ab. Er gerät aber durch seinen Widerstand, den er leistet – wo er auch Social Media für sich selbst nutzbar macht –, zu ungeahnter Popularität und steigt auch von dem nutzlosen Status wieder auf, wird zu einer kleinen unfreiwilligen Berühmtheit.
Ein weiterer Handlungsstrang ist, dass versucht wird, den ersten androidischen Präsidenten ins Amt zu bringen, der den lustigen Namen John of Us trägt. Und dieser – und das spoilere ich jetzt doch – fällt am Ende des Romans, wo er gerade zum Präsidenten erfolgreich gewählt wurde, natürlich auch nicht ohne Wahlmanipulation, einem Bombenattentat zum Opfer. Und daran knüpft eben der zweite Roman QualityLand 2.0, der drei Jahre später erschienen ist, an. Aber da machen wir eine kleine Zäsur und sprechen erst mal über diesen ersten Teil.
Dankeschön. In der Pre-Show hast du gesagt, dass du das zweite Buch brauchst, um auf einen Roman zu verweisen, und das erste Buch kann man doch schon mal verweisen auf Die Optimierer. Da geht es ja auch um die Downward Spiral bei diesen Punktesystemen oder Levelsystemen, wo man Sachen verlieren kann. Das ist jetzt hier nicht ganz so extrem und wird ja auch eher so lustig-lustig darauf Bezug genommen.
Ich habe ein paar andere Sachen immer rausgeschrieben, die erwähnt werden, weil er hat schon ziemlich viel Zeug eingebaut – eigentlich viel zu viel, als dass man sich das alles merken könnte. Da haben wir das Moravec-Paradox, das besagt einfach, dass künstlich intelligenten Dingen Dinge, die Menschen schwerfallen, einfachfallen, und Dinge, die Menschen einfachfallen, schwer. Ein Beispiel hier – und das wird sogar auf Wikipedia verlinkt – ist, dass es Robotern schwerfällt, eine Tasse zu tragen, ohne den Inhalt zu verschütten, aber sie können Menschen in Schach und Go und so weiter einfach schlagen. Das ist ganz nett. Das ist aber auch nicht mehr richtig. Aber ja, also das finde ich schon schön. Da habe ich mir vor allem die Mühe gemacht, das alles rauszusuchen.
Das zweite ist das Jevons-Paradox. Das besagt, dass man ja eigentlich davon ausgehen könnte, dass, wenn eine Optimierung stattfindet – also zum Beispiel, dass man Dampfmaschinen durch Elektromaschinen ersetzt oder Pferde durch Autos –, Ressourcen gespart werden würden. Und das ist aber nicht der Fall, sondern der Ressourcenverbrauch wird eher durch solche Technologien angeheizt, als dass er abgemildert wird. Das ist, ja, das ist beängstigend.
Und dann hat er zum Beispiel das Carrington-Ereignis. Das ist ein Sonnensturm, der 1859 die Erde getroffen hat und ziemlich alles an Elektronik, was es damals gab – was zum Glück nicht viel war –, ausgelöscht hat. Wenn so ein weiterer Sturm, der durchschnittlich alle 500 Jahre auf die Erde trifft, passiert, würde er komplett unsere ganze Technologie auslöschen. Das ist nett. Ich hatte von so einem Sonnensturm schon mal gehört, aber ich wusste nicht, dass es dafür einen Begriff gibt. Hat er schön nachgeguckt.
Dann natürlich unsere geliebten Robotergesetze von Isaac Asimov. Ja, mal kurz alle vier Robotergesetze. Das nullte Gesetz kam später dazu, trotzdem fangen wir mal mit dem nullten an: Ein Roboter darf die Menschheit nicht verletzen oder durch Passivität zulassen, dass die Menschheit zu Schaden kommt. Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen, außer er verstößt damit gegen das nullte Gesetz. Ein Roboter muss den Befehlen eines Menschen gehorchen – es sei denn, solche Befehle widersprechen dem nullten oder dem ersten Gesetz. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange sein Handeln nicht dem nullten, ersten oder zweiten Gesetz widerspricht.
Das ist ganz schön. Es kommt in vielen Büchern und so weiter vor, diese Robotergesetze, die die Roboter davon abhalten sollen, etwas Schlimmes gegen die Menschen zu machen. Es wird auch hier erwähnt, wie es eigentlich viel eher so sein müsste, dass Asimov diese Gesetze geschrieben hat, um sie dann in all seinen Kurzgeschichten und Romanen auszuhebeln. Und deswegen zeigt sich eigentlich, dass diese Gesetze, so logisch und schön sie auch klingen, nicht funktionieren. Wenn sie nicht einmal in der Fiktion funktionieren, würden sie in der Realität auch nicht funktionieren.
Dann haben wir – da verweisen wir jetzt einfach mal drauf –, mehrere Folgen gemacht über die Gefahr von KIs. Ich nehme an, Jürgen wird sie einfach alle verlinken. Ich verlinke auch die ganzen schlauen Wörter, die du jetzt runtergerattert hast. Die kommen selbstverständlich alle in die Shownotes.
Also Sönke, du gibst momentan ein bisschen Gas mit deinen Erklärungen. Kannst ruhig mal ein bisschen Tempo rausnehmen.
Okay, ich bin müde. Das war ein langer Tag.
Genau. Ich denke, zu den lustigen Sachen kommen wir später. Wie gesagt, alles ist in den Shownotes von Jürgen.
Als Nächstes kommt: Er hat auch noch erzählt, was CAPTCHA eigentlich bedeutet, was eine dieser lustigen Abkürzungen ist. Denn CAPTCHA steht eigentlich für Completely Automated Public Turing Test to Tell Computers and Humans Apart. Das gehört zu der Liste von lustigen Abkürzungen. Es gab früher mal vielleicht den alten Druckertreiber, die TWAIN, die hieß irgendwas in der Art. Niemand interessiert sich wirklich dafür, wofür unsere Abkürzungen stehen. Und das wusste ich nicht mit dem, aber man wusste es schon. Man hat das irgendwann mal gelesen, man vergisst es halt. Und er hat sich wirklich viel Mühe gemacht, diese ganzen Sachen so aufzuschreiben. Das sind so die Nice-to-know-Sachen oder schönen Sachen, die gefallen sind – ein paar davon.
Dann über das Letzte, worüber ich gerne sprechen würde, wäre dann … also wirklich am Ende, andere Themen, die vorkommen, die zum ersten Buchs des Grundeinkommens, die Finanztransaktionssteuer, der Hochfrequenzhandel, negative Zinsen, Lokalwährungen, Modern Monetary Theory für das bedingungslose Grundeinkommen. Er beballert einen da wirklich mit unglaublich vielen Theorien.
Also gerade, was du jetzt eben runtergerattert hast, das kommt in einer einzigen Szene vor, wo John of Us, der Wahlkampf betreibt, so ein Funding-Dinner hat, also mit den üblichen Superreichen, die ja gerne mal als Geldgeber für irgendwelche Parteien auftreten. Warum, kann man sich denken. Und er – um es jetzt mal in der drastischen Metapher auszudrücken – pinkelt denen allen ans Bein, indem er halt mal ganz knallhart runter rattert, was für das Grundeinkommen spricht und dass man natürlich Kapital besteuern könnte und sonst irgendwie was. Und er kann sogar davon ableiten, was für einen Vorteil es hätte. Und damit gibt er natürlich diesem kapitalistischen System, an dem die alle sich sehr schön genährt haben, eine richtig rabenschwarze Breitseite. Und dieses ganze Dinner scheitert dann, aber so komplett, weil er die potenziellen Geldgeber für die Unterstützung seiner Partei halt unglaublich aufs Hässlichste verprellt hat. Und dann kommt aber raus, dass das Ganze nur ein Schachzug war, weil er sie heimlich dabei aufgezeichnet hat, wie die sich dann entrüstet über seine Verbesserungsvorschläge aufregen, um dieses Material dann zu leaken.
Aber diese ganzen Theorien, die da runtergerattert werden in wenigen Minuten – also da ist man dann schon ganz schön mit beschäftigt, das alles mal nachzulesen, was er da für Theorien aufstellt. Und das ist nicht ohne, muss ich sagen.
Wir hoffen, dass es tatsächlich Fußnoten gibt. Es gibt Fußnoten, lustige Fußnoten, aber wir hoffen mal, dass es Fußnoten gibt in dem E-Book. Gehen wir davon aber aus, dass es nicht der Fall ist, weil im Audiobook gibt es ja Fußnoten – die werden dann alle vorgelesen. Würde es Fußnoten zu diesen ganzen Theorien geben, würden sie vorgelesen werden.
Dann kommt noch was über Kybernetik, das ist very nice, auch mit einer schönen Geschichte dazu, Netzwerkeffekt, Blasenbildung – das hat Jürgen schon besprochen. Und das Winner-takes-it-all-Prinzip ist auch sehr schön erklärt mit diesem Beispiel der Eisdiele. Also dass die beste Eisdiele alles kriegt und dass die zweitbeste Eisdiele und sonstige zweitbeste Anbieter einfach gar nichts kriegen. Und das ist wirklich sehr, sehr schlüssig erklärt. Und das ist das Gegenteil der Demokratisierung und das Gegenteil dessen, Monopole zu bekämpfen, was das Internet bewirkt hat, und auch sehr schlüssig erklärt.
Ja, aber nicht alles richtig, weil stimmt ja nicht. Es gibt schon tatsächlich die Plattformen, die auch besprochen werden. Die Plattformen sind schon traumatisch, deswegen will jeder eine Plattform haben. Also Amazon zum Beispiel, eBay, aber auch diese Plattformen – es gibt immer noch wieder Destruktionen von außenkommenden Plattformen, kann man zum Beispiel bei Messengern oder bei Social Media oder so sehen. Also es ist nicht ganz so hart wie „The winner takes it all“. Es gibt immer noch viele Webshops, die viel Geld machen, aber natürlich macht Amazon am meisten Geld mit ihrem Zeug – allerdings auch nicht so viel wiederum, wie man sich das vorstellen könnte.
Aber ganz generell: sich diesen ganzen Zeug rauszuschreiben – und ich weiß gar nicht, wo der das alles her hat. Es ist eine Menge Zeug. Ich habe dann im zweiten Buch nicht mehr die Zeit gehabt, mir das aufzuschreiben, weil ich habe sie alle, die Bücher, nochmal angehört und bin beim zweiten nicht ganz durchgekommen. Da habe ich mir bei einer Sache schon beim ersten Mal Durchhören aufgeschrieben, mit dem wir später wieder reden – das hatte ich auch schon mal in einem anderen Podcast besprochen hier.
Genau. Ich könnte mich auch mal kurz an der Zusammenfassung vom ersten Buch versuchen. Denn auch wenn Jürgen das super schön gemacht hat, dann kann man das noch vereinfachen sehen. Es gibt wirklich diese Heldenreise unseres Peter Arbeitslosen mit einer Love Story mit Kiki, und es geht nur darum, seinen MacGuffin, den Delfin-Vibrator, zurückzugeben. Und auf dieser Reise lernt er all diese Sachen, die dann schon ziemlich plakativ dir ins Gesicht geschmissen werden, aber auch immer witzig verpackt.
Wenn man dem etwas ankreiden möchte: Es ist zu viel. Und damit man sich da wirklich reinversetzen kann, müsste man auf irgendwas den Fokus legen, und das passiert nicht. Es ist so ein Gag-Feuerwerk, und es ist ein Wissensfeuerwerk, aber es bleibt nicht wirklich großartig was hängen, weil es einfach zu viel ist. Man kann natürlich sagen, dass es unheimlich schön ist, das Ganze nochmal wiederzulesen und so weiter. Aber wenn ich jetzt sagen würde: Was ist eigentlich das Hauptthema? Dann weiß ich es nicht. Und dann haben wir diese zweite Geschichte, die dann als kind of Cliffhanger in das zweite Buch übergeht. Das ist mit John of Us. Also wenn ich sagen würde, dass das erste Buch eine Hauptstory hat, dann wäre es die Hauptstory der Optimierer. Der macht das auf die Optimierer aber besser, weil es wirklich den kompletten Fokus auf diese eine Geschichte legt.
Ja, jein. Deshalb habe ich gesagt, du sprichst über Die Optimierer, von Theresa Hannig. Und deshalb wollte ich erst über beide Bücher sprechen, weil Theresa Hannig auch so zwei direkt miteinander verknüpfte Romane rausgehauen hat, nämlich Die Optimierer und dann Die Unvollkommenen. Und das, was Die Unvollkommenen dann erzählt, das ist eigentlich das, was am Ende von QualityLand 2.0 stehen würde. Und das, was in QualityLand 2.0 passiert, nämlich diese Abwärtsspirale des Gustav Freitag – so heißt er in dem Roman –, das ist eben das, was in Die Optimierer passiert.
Ich habe ja von diesem Scoresystem geredet, von diesen Levels von 1 bis 100. Und der Attentäter, der John of Us am Ende des ersten Teils in die Luft gesprengt hat, der geht nämlich im zweiten Teil, also in der Fortsetzung von QualityLand, mit seinen Punkten so richtig steil bergab. Er verliert Level um Level und erfährt den immer weiter unaufhaltsamen, krassesten sozialen Abstieg, weil er mit natürlich jedem sinkenden Level auch irgendwelche Levelfähigkeiten verliert. Und irgendwann wird er dann halt auch, wie ich es ja schon erwähnt habe, wie ein Nutzloser behandelt. Und wenn man einmal bei den Nutzlosen angekommen ist, dann kommt man da auch nicht mehr raus oder so gut wie gar nicht mehr. Und das erlebt der halt. Und das ist genau das, was eben bei Die Optimierer passiert.
Die Optimierer endet dann halt damit, dass Gustav Freitag zum Schluss vercybert wird. Also er verlässt seinen fleischlichen Körper und wird zu einem Androiden, nur wird er dann zu einer künstlichen Superintelligenz mit einem Gotteskomplex. Und das ist wiederum dieses Cyber-Jesus-Ding, was eben die Pointe bei QualityLand 2.0 ist. Das schwebt die ganze Zeit im zweiten Teil, der den Untertitel Kikis Geheimnis trägt. Auch das hat mehrere Handlungsstränge, möchte man sagen, wobei der Haupthandlungsstrang ist, dass Kiki, die im ersten Teil nur eine Nebenfigur ist, nun jetzt eher so in den Fokus rückt. Die versucht nämlich, ihre Identität herauszufinden. Man findet halt heraus, dass sie nicht nur so einen Anonymitätswahn hat und versucht, unter dem Radar zu bleiben, sondern dass sie tatsächlich mehr oder minder identitätslos ist, weil sie nämlich von einer Roboter-Nanny aufgezogen wurde und nicht weiß, wer ihre Eltern sind. Und sie versucht das halt rauszufinden. Und das ist dann durchwoben mit anderen Ereignissen, die indizieren, dass John of Us eben sein Attentat überlebt hat, indem er sein Bewusstsein, sein digitales Bewusstsein, eben ins Netz hochgeladen hat, bevor er hochgejagt wurde, und dann quasi als eine Art Cyber-Jesus weiter existiert.
Und das ist jetzt eben das große Rätsel, was am Ende dann halt aufgelöst wird. Und deshalb passt das halt sehr gut zusammen mit Die Optimierer und Die Unvollkommenen. Nur was bei QualityLand absurd und lustig ist und halt leider auch zu sehr verzettelt mit zu vielen Details, ist bei Theresa Hannigs Zweiteiler-Roman richtig toll, gradlinig als wirklich gut erzählte Dystopie ausgearbeitet. Sehr, sehr lesenswert. Haben wir natürlich auch in den Shownotes verlinkt. Ich habe schon in einer anderen Podcast-Folge von den Romanen geschwärmt.
Ja, wir beide. Und auch das wirst du alles verlinken.
Im zweiten Buch ist mir vor allen Dingen aufgefallen der Observe-Orient-Decide-Act-Zyklus oder Loop. Das wird in dem Fall … da ist der Dritte Weltkrieg ausgebrochen. Und wieso ist der Dritte Weltkrieg ausgebrochen, weiß kein Mensch. Es sind 33 Millionen Menschen gestorben, und nach sechs Stunden war er vorbei. Und QualityLand hat gewonnen. Das war auch gut so, aber man weiß noch nicht mal genau, gegen wen man gerade Krieg geführt hat. Und am Ende kommt raus, dass es eigentlich nur ein Unfall war, also was ja auch passieren kann bei Computern.
Da klingeln bei uns natürlich die Alarmglocken. Da haben wir auch schon mit Kollegen drüber gesprochen von „Erklärbarer KI“. Da haben wir zusammen einen Podcast gemacht, den auch Jürgen wieder verlinken möchte. Und wir versuchen im Moment KI zu erklären, ganz generell. Und das Problem bei diesen Zyklen – diesem Observe-Orient-Decide-Act-Zyklus – ist, dass die von Computern viel zu schnell ausgeführt werden können, als dass Menschen im Loop bleiben können, als dass wir sagen könnten: Okay, bevor er handelt, ist da ein Mensch drin und sagt: okay, ja oder nein. Das geht nicht mehr. Dafür ist dieser Zyklus zu schnell. Also der Mensch ist nicht mehr im Loop, sondern der Mensch ist out of the loop. Also du guckst drauf auf den Loop und hast vielleicht ein Protokoll von den Entscheidungen, und dann musst du dir überlegen, ob du rauskriegst, was passiert ist oder was nicht.
Und das ist nicht schlimm bei Computerprogrammen außerhalb, aber sobald es irgendwas ist – genau wie Krieg –, irgendeine Drohne oder eine automatisierte Armee, die Entscheidungen trifft, einen Krieg anzufangen, da kommen wir leider hin. Das hatten wir auch in mehreren anderen Podcasts besprochen, dass das genau der Treiber ist, der dafür sorgt, dass wir kein Moratorium bekommen für KIs – diese Drohnensache. Denn man müsste weltweit sagen: Okay, wir werden jetzt alle aufhören, Drohnen zu entwickeln, und der Mensch muss immer im Loop bleiben, und das ist die maximale Beschränkung. Das wird natürlich bedeuten, dass jedes Land, das sich nicht daran hält, sondern den Menschen out of the loop nimmt und die Geschwindigkeit seiner KIs erhöht, in einem wirklichen Konflikt dann einen absoluten Vorteil hätte. Und weil man niemandem den absoluten Vorteil überlassen kann in einem so wichtigen Ding, müssen alle Länder jetzt Waffensysteme bauen, bei denen im Endeffekt der Mensch immer out of the loop sein wird. Und da kann man sich drüber aufregen – aber vollkommen zu Recht, by the way. Und ich reg mich auch darüber auf, ich habe nur keine Antwort darauf. Und ich finde das sehr schön, weil ich das natürlich – das Prinzip kennt man aus vielen Science-Fiction-Filmen –, aber dass das jemand so direkt benannt hat, wo man nachgoogeln kann, das ist eigentlich das Problem, das dahintersteckt. Also da war schon ein bisschen Research …
Da war schon sehr viel Recherche dahinter von Marc-Uwe, als er diese Bücher geschrieben hat. Und auch eine sehr schöne Einlassung. Also schreiben kann er, er ist lustig, und was Informelles, Informatives verbreitet er auch.
Und mir ist gar nicht so viel aufgefallen, dass es da so viele Verbindungen zu den anderen beiden Büchern gibt. Das finde ich sehr schön. Aber damit bin ich mit meinen Notizen auch durch. Jürgen, wie sieht es bei dir aus?
Ach, und da fällt mir gerade ein, woran mich insbesondere QualityLand 2.0 noch erinnert hat. Nämlich, es erzählt ja auch die Geschichte von dem Absturz von Martin Vorstand, der am Ende des ersten Teils John of Us in die Luft gesprengt hat, dem ja immer weiter Schicksalsschläge widerfahren, dass sich zum Beispiel selbstschließende Türen ihm widersetzen und ihn immer einklemmen, der Aufzug ihm nicht gehorcht und der die ganze Zeit quasi – man könnte sagen – vom Internet of Things geprankt wird. Und er verliert immer weiter Punkte im Ranking, obwohl er natürlich auch immer weiter Levelfähigkeiten einbüßt. Und er war halt ursprünglich mal ein Level-60-Dude oder sogar Level 90 und ist dann irgendwann halt auch auf dem Rang der Nutzlosen angekommen.
Und zwar gibt es eine Black Mirror-Episode mit dem Titel „Abgestürzt“, im Original heißt sie „Nosedive“. Da geht es um genau dasselbe. Da gibt es ein Rankingsystem, das bis 5,0 geht, und die Personen können sich gegenseitig in dieser Welt bewerten. Und die Hauptfigur dieser Erzählung, die versucht nämlich, auf so ein Luxusresort ein Haus zu mieten, das ist aber nur für 4,5er zugänglich, und sie ist leider nur eine 4,2. Und deshalb versucht sie, sich sozial aufzuwerten, indem sie etwa als Gast bei einer ehemaligen Schulfreundin auf deren Hochzeit dabei ist. Die ist nämlich eine 4,7. Und tatsächlich ist es so, dass wenn man befreundet ist mit Leuten, die einen höheren Rang haben, dass das das eigene Rating halt auch aufwertet.
Genau. Und das läuft aber dann alles schief. Sie ist vom Pech verfolgt bei dem Versuch, zu dieser Hochzeit zu gelangen, und ein Missgeschick jagt das nächste. Und das führt dann auch dazu, dass sie immer weiter downgegradet wird und irgendwann ist sie halt auch auf einem Niveau angekommen, wo sie so für die Asozialen gehalten wird. Und auch in dieser Black Mirror-Episode, die diese Welt schildert, kommt sie dann in Kontakt mit einer Person, die aus diesem System ausgestiegen ist. Sie wird nämlich beim Trampen mitgenommen von einer Truckfahrerin, die so eine 1,0 irgendwas hat, und sie traut sich erst gar nicht, zu der ins Auto einzusteigen, bis ihr dann eben begreiflich gemacht wird, dass dieses ganze System völlig irrsinnig ist und dass man, wenn man darauf pfeift, ein unbekümmertes und unbeschwertes Leben führen kann. Nachteil ist dann halt, dass man zum Beispiel eben keine guten Wohnungen bekommt. Und wenn man jetzt zum Beispiel das traurige Schicksal, wovon die Truckerfahrerin erzählt – wenn man eine wichtige OP braucht, dann ist man halt auf der Warteliste, weil man niedriger eingestuft wird als höherwertige Menschen. Und genau das wird in QualityLand zum Beispiel auch erwähnt, dass eine Level-Eigenschaft ist, geringere Wartezeit für lebenswichtige Operationen zu haben.
Genau. Also „Nosedive“ beziehungsweise „Abgestürzt“ aus der Black Mirror-Serie ist da auch sehr empfehlenswert. Es gibt noch einen anderen Roman, wo es auch um dieses Kreditpunktesystem geht, was auch als eine Art Bezahlmittel verwendet wird. Hier ist es etwas anders erklärt, dass man mit diesen Levelfähigkeiten wie zum Beispiel eine Ampel umschalten sogenannte Karma-Punkte verbraucht, und die müssen sich mit der Zeit auch wieder aufladen, damit man halt nicht die ganze Zeit mit seiner Level-Überlegenheit arbeitet. Also hat er da sogar so ein bisschen das durchdacht, wie das funktionieren kann, aber wie dem Ganzen auch Grenzen gesetzt sind. Das ist nicht uninteressant. Wäre zum Beispiel vielleicht auch interessant, daraus so eine kleine Geschichte zu schreiben.
Also, weil die QualityLand-Romane so vielfältig und so überladen sind mit den Details, was das Worldbuilding betrifft, könnte man tatsächlich etliche Kurzgeschichten aus QualityLand schreiben, weil das halt eben so viel hergibt vom Worldbuilding her.
Und es gibt einen anderen Roman, den ich aber definitiv nicht verlinken werde, weil es leider ein Fehlkauf gewesen ist. Ich sage jetzt nur den Titel: Score heißt er, den Namen des Autors habe ich auch vergessen. War extrem langweilig und auch mit einem sehr schlechten Twist am Ende, wo ich dann auch so im letzten Fünftel – also nachdem ich lange durchgehalten hatte – keine Lust mehr hatte und den Roman abgebrochen habe. Aber da ging es genau um dasselbe System, dass es halt ein Punktesystem gibt, das das Ranking der Leute ausmacht. Und wenn man in seinem Punktesystem abrutscht, dann gibt es interessante Rückkopplungseffekte: Wenn du einen hohen Score hast und freundlich bist zu Leuten, dann erhöht das deinen Score, und wenn du niedrigen Score hast und freundlich bist zu Leuten, dann wird das als Harassment, also als Belästigung ausgelegt, und dann schadet es deinem Score auch noch mehr. Also dieses sich selbst verstärkende System, was eben in QualityLand auch schön beschrieben wird.
Wenn du eben unter Level 10 bist, dann zählst du als Nutzloser und deshalb bieten die Algorithmen dir auch nur noch Zeug an, was für Nutzlose gedacht ist. Also dir wird eine Partnerin vorgeschlagen, die auf deinem Niveau ist, dir werden Jobs angeboten, die auf deinem Niveau sind, nämlich ebenso Billigjobs ohne Perspektive. Und selbst wenn du schaffen solltest, dich auf einen besseren Job zu bewerben, werden Algorithmen dich aussortieren, sodass du gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen wirst. Also du kommst aus diesem Ranking nie wieder raus. Und das ist halt sehr, sehr fies, aber auch nicht unrealistisch.
Und wo wir halt bei China arbeiten … äh, wo schon seit Jahren darüber gesprochen wird, dass China auch fleißig an so einem Social Score arbeitet, ihn auch schon aktiv einsetzt. Man hört davon halt jetzt nicht so viel. Man hört nur so ein paar praktische Anwendungen, wie: Wenn du einen schlechten Social Score hast, dann kannst du halt keine Fernzugtickets kaufen. Und wie schadest du deinem Score? Indem du zum Beispiel bei Rot über die Ampel gehst. Und überall hängen Kameras, und die sehen das dann. Wo man sich denkt: Okay, wenn es jetzt nur um das allgemeine Miteinander geht und wenn du dann halt in den Verkehr pöbelst oder deinen Müll nicht wegwirfst und das sieht jemand, dann schadest du deiner Punktzahl, und zur Strafe kriegst du dann quasi so eine Art Stubenarrest oder Ortsarrest, dass du halt deine Verwandten nicht besuchen kannst – da denkt man sich ja, okay, ist ja vielleicht auch gar nicht so schlimm. Denn es gibt ja überall Verkehrsrowdys und Rüpel, und da ärgert man sich ja auch drüber, dass die ungeschoren davonkommen.
Und also, wenn man das nicht zu Ende denkt, könnte man meinen: okay, ist jetzt vielleicht gar nicht so unpraktisch. Aber natürlich kann man auch Leuten einen schlechten Score geben, die jetzt etwas machen, was gegen die Partei ist oder gegen irgendwelche sonstigen Ideologien verstößt. Und das ist ja völlig intransparent, wie solche Punkte vergeben oder abgezogen werden. Und ja, und es ist halt spannend, ob wir uns irgendwann auch dahin entwickeln, dass so ein Scoresystem eine neue Form des digitalen Geldes sein wird, eine neue Währung sein wird, die irgendwann auf Gedeih und Verderb unser Schicksal bestimmen wird. Seien wir gespannt?
Ja, nein, gespannt bin ich darauf nicht. Das ist keine gute Idee.
Ich denke auch, dass die noch auf dem Platz abhört … nein, nein, nein, nein, nein, nein. Also ich meine nicht gespannt in freudiger Erwartung, sondern seien wir einfach mal gespannt, was wird. Also ich kann jetzt keinerlei Prognose treffen, was jetzt so in zehn Jahren sein wird. Also wenn wir jetzt mal überlegen: Das iPhone gibt es seit 2007 und Facebook gibt es seit 2004. Und diese beiden Neuerungen – also dass wir ein Social Web haben und dass wir portables Internet haben – diese beiden Erfindungen haben sich gegenseitig bedingt und gegenseitig verstärkt. Und jetzt 2023, wie das die Welt umgekrempelt hat, ist unvorstellbar gewesen. Und ich kann jetzt keinerlei Prognose treffen, was jetzt in zehn Jahren so ein Beispiel sein wird. Da bin ich überfragt.
Ja, nein. Das wird übrigens auch in dem Roman angesprochen. Das sagt – lustigerweise wird sie im ersten Roman, also diese E-Autorin oder E-Poetin, also diese Androidin, die Autorin ist mit Schreibblockade, die wird im ersten Teil Calliope genannt und im zweiten Teil nennen sie sie Kalliope. Also ich bin jetzt nicht ganz sicher, wie man den Namen richtig ausspricht. Und die sagt: Ja, wir sind jetzt übrigens schon zwei Jahre vorweg, was Prognosen betrifft. Früher haben Autoren irgendwelche Entwicklungen in der Zukunft immer viel zu früh angesetzt, wie zum Beispiel 1984 – das ist ja so gar nicht eingetreten im Jahr 1984 – und so ein paar andere Sachen. Und jetzt ist die Technikentwicklung also bei QualityLand schon viel rasanter und Dinge treten viel früher ein, als irgendwelche Science-Fiction-Autoren oder sonstige Weissager das vorausgesagt haben.
Und das können wir uns jetzt fragen. Wir können jetzt überlegen: Wann wird es so weit sein, dass autonome Systeme uns alles aus der Hand nehmen? Wann wird die Singularität eintreffen oder wann wird dieses und jenes eintreffen? Wann haben wir den ersten Krieg mit autonom agierenden Drohnen? Wann wird das passieren? Irgendwann in der Zukunft wird es sehr wahrscheinlich passieren. Oder hatten wir den schon? Wir wissen es nicht. Aber wie weit werden wir irgendwann kommen, dass die tatsächlichen Entwicklungen irgendwelchen Prognosen schon davon galoppieren? Und das wird in dem Roman auch mal kurz angesprochen.
Ja, es gibt zum Glück immer andere Prognosen. Was mir eingefallen ist, wenn wir gerade abschweifen – und ich finde es interessant, dass es dir nicht eingefallen ist – ein anderes Buch oder eine Bücherei über Level ist ja Daemon.
Ja, da kannst du die auch … Es gibt nur positiv. Du kannst dich leveln und dann kannst du Levelfähigkeiten bekommen usw. Also du kannst dich hochleveln. Nun, in Computerspielen kannst du dich eigentlich nicht runterleveln. Ich glaube, bei dem Daemon konnte man dann auch – das war so eine Spezialfähigkeit – Leuten wieder Level wegnehmen.
Ja, das ging. In der Fortsetzung Freedom™ war das so. Mir fällt gerade der Name nicht ein, weil es so lange her ist, dass ich das gelesen habe. Da gab es so eine digitale Engelsgestalt. Das war eigentlich ein Märtyrer. Also er wurde zu einem Märtyrer, und der taucht dann irgendwann als ein digitales Engelswesen auf und greift in ein Schlachtgeschehen ein, indem er den einen der bösen Schurken einfach seine Levelpunkte wegnimmt. Also er geht dann hin und sagt: „Verzeihen Sie, Sir, ich muss Ihnen das wegnehmen.“ Und dann greift er nach seinem Callout und draint ihm einfach seinen Level, und da kann er nichts mehr machen. Das ist auch ein superlustiger Twist.
Ja, du hast recht. Daemon und Freedom™ müssen wir eigentlich auch noch mal reinziehen.
Ja, wir haben gerade schon Podcast gemacht.
Genau. Das wirst du verlinken. Und Gott, wir haben so viele Podcasts schon gemacht.
Ja. Wir machen jetzt ein, zwei Folgen ein bisschen lockerer eigentlich nur. Zwei Folgen: diese und die nächste. Da sind wir auch noch zu zweit, bevor wir wieder eine Episode machen mit vielen Leuten und wo es dann auch um ein bisschen größere Themen geht.
Nächstes Mal geht es um einen Film, um Strange Days. Da wollte keiner mitmachen bisher. Das ist ja schade. Vielleicht findet sich unter unseren Hörerinnen jemand, der mit uns darüber sprechen möchte. Er ist wirklich toll. Kann ich gar nicht verstehen, warum da keiner angebissen hat.
Genau. Ich ziehe um. Demnächst endlich. Haus fertig. Und ich werde kein Internet haben. Das wird also … ja, ich weiß noch gar nicht. Deswegen müssen wir mal gucken, wie wir das alles machen. Ich werde erst wieder im März Internet haben. Das müssen wir mal sehen. Also, falls sich etwas verschiebt oder die Folge ein bisschen kurz kommt, dann liegt das daran, dass der Umzug halt ist. Danach geht es wieder ganz normal weiter. Wir freuen uns auf die Unterstützung.
Und wenn es nichts anderes mehr zu sagen gibt, dann sagen wir für heute …
Du musst doch mal auf Arbeit. Du bleibst nicht zu Hause, sondern fährst auch noch mal auf Arbeit und hast da Internet. Du kannst ja da aufnehmen. Ich habe auch schon mal in der Schule einen Podcast aufgenommen. Das geht schon. Manchmal muss man Prioritäten setzen.
Ja, darauf wird es trotzdem … Das wird nicht so toll von der Qualität, wenn ich meine schöne Ausrüstung nicht habe.
Ach.
Es wird eine Folge geben. In drei Wochen wird es die nächste Folge geben. Es geht um Strange Days. Wir reden dann darüber. Wenn sich jemand von euch findet, der mit uns über Strange Days reden möchte oder über irgendwas anderes, was in der Liste ist – aber preferable über Strange Days, weil über den wollten wir schon seit ewig und drei Tagen sprechen – dann reden wir in drei Wochen. Wir wünschen euch was und machen heute mal ausnahmsweise ein bisschen früher Schluss.
Damit würde ich sagen: auf Wiederhören.
Ja, und gute Nacht. Tschau.
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Tschüss.